10
oberster Tag oder Großneujahr ein solches( südliches) Glückssymbol*)als Festgebäck haben konnte, allerdings unter einem nicht passendenNamen, der aus der folgenden Fastnachtszeit herübergenommen sein dürfte,gleichsam antizipiert wurde.
Fig. 3-4. Verchristlichtes Salomo- Siegel auf einem koptischen Brotstempel aus Holz( 30 mm dick),auf dessen Rückseite ein lebensfrischer springender Hirsch mit Pflanze im Maul.( Aus Catalogue des antiq. Égypt. du Musée de Cairo XII.)
Am 17. Januar ist» St. Anton na twelften, nach obersten<< inder Antonius- Woche. Auch dieser Heilige hat durch seinen KalenderterminBeziehung zum Neujahrsbrot; das Antonius- Brot, über das wir im Janus,VII, 1902, gesprochen haben, war in Norddeutschland ein Schönroggen-brot, das nach volksüblicher Auffassung durch den Segen des heiligenAntonius ein Heilmittel wurde.» Ock hebbe ick yan ein boswichte predigenghört, so idt möglich were, dadt men einen schönroggen( Brot) in dusentstücken snede, so mennich stücke alse man den Tonniges swinen gaf,so mennich XL aflates( Ablaß) kregh men oth der Tonniges söge( n).<<( Schiller- Lübben, IV, 576.) Oberhalb Türkheim bei Kolmar im Elsaß liegthoch im Wasgenwald der Wallfahrtsort» Drei Ähren«( les trois épines);dort findet sich ein Opferstock mit der Inschrift: Tronc pour le pain deSt. Antoine. Solches Weißbrot, etwa apfelgroß, wird dort( in drei Ähren)an diesem Tage gebacken und verkauft; es gilt als heilkräftig und Unheilabwehrend für Schweine, Rindvieh u. s. w.( Gefällige Mitteilung von HerrnProfessor R. Andree.) In Neapel hängt man am 17. Januar den Pferdenund anderen Tieren Kränze von Teigringen( ciambelle= Butterbrezeln),Kastanien und Haselnuẞkernen um den Hals und führt sie dreimal um
*) Marenkreuz( nordisch maremerke, marukors, tusse merke), auch das Glücks-und Gesundheitszeichen der Pythagoräer oder Salomons- Siegel der Judengriechen( s. Fig. 3-4), das gegen kaltes Fieber( Saupe, 14) helfen sollte.
In Antwerpen verkaufte eine deutsche Kartenschlägerin einen sogenanntenZauberkuchen, der zur Ermittlung von Hausdieben dienen sollte; auf demselbenwar das Salomons- Siegel mit den Mondphasenbildern aufgedrückt( Katalog Nr. 2081des Antwerpener Volkskundemuseums). Die koptischen Christen drückten auf ihreHeilbrote mit Holzstempeln vorne dieses uralte Heilzeichen, das Sonnenrad, undrückwärts den lebensfrischen Hirschen auf( vergl. auch unter Fastnacht, II), der zumSymbol des ewigen Lebens wurde.