8
heutigen eigentlichen drei Faschingstage beschränken, sondern man mußdie ganze Karnevalszeit vom heiligen Dreikönigstage ab bis zum Ascher-mittwoch und selbst noch die Fastenzeit mit einbeziehen.
I. Faschingsbeginn.
An die Weihnachtsoktave und heiligen Dreikönigs-( Perchten-) Oktaveschließen sich im deutschen Volksglauben eine Reihe von Kalendertagen,deren Heiligennamen und Brote noch mit dem antidämonischen Neujahrs-brote in zeitlichem und volkskundlichem Zusammenhange stehen.
8. Januar, St. Erhard, St. Erhardi dies,» nach dem Prechentag<<( Grotefend, 43), der Patron für Viehkrankheiten und auch für Brunnen.Über das Erhards- Brot, das ein sogenanntes Heilbrot ist, hat Verfasserschon im Janus, Archives internationales, VII, 1902, 4. Heft, berichtet.
Die Zeit vom 9. bis 16. Januar war die nordgermanische Mitt-winter- Opferzeit( s. Weihnachtsgebäcke), und zwar» til god afgrøde<< fürein gutes Aufgrünen im kommenden Wachstum der Erde, die späterdurch den Pflug aufgewühlt wurde. Der Montag nach dem Perchtentageheißt darum im Englischen noch der Plough- Monday= Pflugmontag, imNiederländischen: Koppeltjes- oder Kopper- Maendach; im Niederdeutschen:sware mandach- verschworener Montag( Grotefend, 77); auch der
=
12. Januar hieß bei den Siebenbürger Sachsen: Homo vetus( Alt-mann), der geschworene Montag( Grotefend, 52), und in den Niederlandenverlorener, verkohrener, verschworener Tag, mit ihm beendigte sich dortnach altem Herkommen die weihnächtliche( Perchten-, Jul-) Kultzeit, dieaber an anderen Orten bis zum 20. Januar andauerte. Die letzten Brockender Julspeise wurden im Norden in die Grütze eingebrockt, daher der11. Januar auch» Brokkenmesse« hieß;( Feilberg 2, 107) auch Brettivamesse,Brigitta, Briktiva. Zu diesem Zyklus von Brotheiligen- Tagen der Neujahrs-zeit gehört auch:
Der 13. Januar mit dem St. Hilarius- Brot.*) Der Kult des heiligenHilarius( Gelerius- Tag, auch Gläris- Tag) ist durch fränkische Mission zu denAlemannen in der Schweiz gedrungen, wo dieser Tag ein Analogon warzu dem nordischen St. Knuts- Tag, Kanuts- Tag( Affare Dag); an diesemTage( 12 volle Tage nach Neujahr oder 18 Tage nach Weihnachten) be-schlossen die Nordgermanen ihre Julzeit mit dem Verzehren des Julbock-gebäckes( s. Weihnachtsgebäcke, S. 15, 63), die Schweizer aber die Perchten-tage mit dem Bertolds- oder Berteli- Schmause der Bürger zu Frauenfeldam Bächtelistage.( Schw. Z. f. V. K., III, 164, 250, IV, 153, XI, 244.)
Am zweiten Donnerstag im neuen Jahre ist in Reut-lingen( Württemberg) der sogenannte Mutscheltag, wobei alt und jungin den Wirtschaften und Bäckereien um dieses süße Gebäck sich be-kümmert. Ein Tagblatt 1905 schreibt darüber:
*) Über dieses Heilbrot s. Janus 1. c. VII, 1902.