SICIL
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Das Gastrecht.
Von Maric Stona.
Im Alterthum übte man das Gastrecht in ganz hervorragender Weise, weil zu jener Zeit das Reisen eine That ewar. Hätten die Griechen die Blitzzüge gekannt, die den CVerkehr mit Gästen auf eine unheimliche Weise erleichtern, bsie würden vielleicht statt des Gastrechts das Hausrecht ein- dgeführt haben.
Ein Freund von mir faßt das Wort„ gastfrei" indem, wie er behauptet, einzig richtigen Sinne so auf, daßer sein Haus von Gästen frei hält. Das ist nun aller-dings eine übertriebene Anschauung. Gäste gehören zu denAnnehmlichkeiten des Lebens, doch wie alle wahrhaften Ge- inüsse müssen sie homöopathisch genommen werden.
Man kann die Gäste in zwei Hauptgruppen eintheilen,von denen jede ihre besonderen Spielarten hat.
Erste Gruppe: Der Fluggast. Dieser kommt zu-meist in Städten vor; auf dem Lande erscheint er freimillig nur in angenehmen Jahreszeiten; gerufen auch im rWinter bei besonderen Anlässen, Hochzeiten, Jagden, Taufen,Berlobungen und dergleichen Festen, auf denen er eineFreudenstimmung zu erzeugen hat. Er wirkt stets überausbelebend, ist immer bei vorzüglicher Laune, von Allem ent- izückt. Was ihm mißfällt, vergißt er sogleich. Es fällt ihm cerst wieder ein, wenn er von der nächsten Hausfrau danachgefragt wird. Ist er klug, dann verschweigt er es.
Zu den Fluggästen gehören alle liebenswürdigen IMenschen, die gesellschaftliche Verpflichtungen haben.
Der Fluggast ist immer willkommen. Die Flüchtigkeitseines Auftretens verleiht ihm einen unbeschreiblichen Reiz.Verlängert er seinen Aufenthalt über den siebenten Tag,dann tritt er in die zweite Hauptgruppe ein.
Zweite Gruppe: Der Dauer gast. Dem Dauer-gast begegnet man fast ausschließlich auf dem Lande,jedoch nur in der warmen Jahreszeit. Im Winter meidetauch er die Ländlichkeit.
Fluggast kann man aus Freundschaft werden; Dauer-gast wird man nur aus Egoismus. Daher sind Dauergästeimmer gefährlich. Am gefährlichsten sind jene, die bei ihremEintreffen, wenn man sie vom Bahnhofe abholt, nicht