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alter und neuer Motive begründete Brandes mit einem ausgesprochenenWandel des Zeitgeschmacks. Besonders gefragt, und darum besser bezahlt,seien zur Zeit Karrikaturenköpfe und die aus Modezeitungen und ins-besondere der Zeitschrift ,, Die Dame" entlehnten Mädchenköpfe in Topf-hüten. Auffallend war der starke Einschlag kommunistischer Embleme undLeitsätze, die teilweise russischen Zeitschriften entnommen waren. AnVolltätowierungen hatte sich Brandes noch nicht versucht, und unter denvon ihm in Emden gestochenen Personen befand sich nur eine Frau.
Geestemünde siehe Bremerhaven- Wesermünde.Hamburg- Altona. Zentrum der Tätowierkunst ist, heute wiefrüher, St. Pauli, in dessen Welt des Taumels, der Vergnügungen undLaster sich beide Städte vermischen. Hier arbeiteten vor dem Krieg sechsbis sieben regelrechte Tätowierstuben, oft bis tief in die Nacht, und dieSchlepper schleiften ihre Opfer von einer zur anderen, wenn, wie in gut-besuchten Friseurläden, überall schon ein halbes Dutzend Kunden aufs,, Drankommen" wartete. Dazu kam die große, zahlenmäßig auch nichtmehr annähernd genau erfaßbare Menge der ,, herumlaufenden" und,, herumhockenden" Tätowierer in St. Pauli, dem Gängeviertel, der Altstadt,den Vorstädten, und im Seemannsheim„ stippste" 1906/07, wie der ehe-malige Hausverwalter erzählte, den ganzen Tag in jeder Ecke ein anderer.Auch durchwandernde fremde Tätowierer gaben hier ständig Gastspiele.An Stelle der fünf Tätowierstuben, die St. Pauli noch nach Kriegsausbruchzählte, bestehen heute nur noch zwei.
Zu den Bahnbrechern der neueren Tätowierkunst St. Paulis zählteKarl Rodemich( † 1919), ein gelernter Porzellanmaler¹¹), der 1905bis 1908 in seiner Kellerwirtschaft in der Friedrichstraße, später in einerWirtschaft der Taubenstraße arbeitete. Die photographischen Reproduk-tionen eines seiner Musterbücher besitzt als Geschenk der Polizeidirektiondas ,, Museum für Hamburgische Geschichte" 120). Andere Tätowierer derVorkriegszeit leben noch, haben aber ihren Beruf gewechselt oder sindverzogen. So Franz A. Stegmann, genannt ,, Franz von Mexiko"( geb.1869), der zunächst Zigarrenarbeiter war und dann als Maler zum Täto-wieren kam, jetzt aber seinen Unterhalt als Hofsänger mit der Zieh-harmonika verdient¹¹). Martin Ahlers, ein geborener Bremenser, zog
119) In den Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethno-logie und Urgeschichte, Jg. 1890, S. 536 wird von einem ausgezeichneten Bruststich( Mädchenkopf) berichtet, der 1871 von einem Hamburger Porzellanmaler ausgeführtwurde. Vermutlich ist damit Rodemich gemeint.
120) Sie sind verwertet von Otto La uffer, a, a, O., der aus ihnen fünf Ab-bildungen gibt.
121) Stegmann trägt auf der Brust einen großen, von zwei Genien gehaltenenStern. Darunter seinen Namen: STEGMANN. Unter diesem eine von der Schlangeumwundene Palme. Vgl. oben S. 38.