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Die Tätowierung in den deutschen Hafenstädten : Ein Versuch zur Erfassg ihrer Formen u. ihres Bildgutes
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I. Vorbemerkungen

zur Geschichte und Literatur der Tätowierung.

Der Gebrauch, Zeichen und Bilder als Dauerersatz für die vergäng-liche Bemalung in die Haut zu stechen oder einzuritzen, ist, wie manlängst weiß, über die ganze Erde verbreitet und uralt. Lassen auch vor-geschichtliche Bilddarstellungen meist keine sichere Entscheidung zwischenBemalung und Hautstich treffen, so scheint doch die Tätowierung inprähistorische Zeiten zurückzugehen"), und Lukians Zeugnis von dem Haut-bild der Assyrier, Herodots von dem der Thraker stoßen auf keine Zweifel.In den frühgeschichtlichen Jahrhunderten sprechen zahlreiche Beispieleantiker Schriftsteller eine unmiẞverständliche Sprache). So dürften dieNotizen eines Strabo und Pomponius Mela den Hautstich der in Sieben-bürgen wohnenden Agathyrser sichern, und der Hl. Isidor deutet schon denNamen der Pikten, die neben anderen Bewohnern Großbritanniens( denBriten und Iren) zweifellos tätowiert waren, aus dem Brauch des Bild-stiches. Unsicher sind zumeist die Zeugnisse für die Tätowierung derGermanen, zumal die Ahlenfunde in bronzezeitlichen Gräbern Dänemarks,Schleswig- Holsteins und Norddeutschlands ihrer Bestimmung nach proble-matisch bleiben. Die fast stets zum Beleg herangezogenen ,, tincta corpora"der ostgermanischen Harier( Tacitus, Germania, cap. 43) zeigten mög-licherweise lediglich Kriegsbemalung. Die völkerkundliche Forschung weistdie Begründung des Hautstiches( über dessen erste Form zu grübeln genauso fruchtlos ist wie über den Ursprung der Sprache, des Gesanges, desTanzes, der Kunst) in verwirrender Fülle auf. Bald ist die Tätowierungreiner Körperschmuck mit mehr oder minder sexueller Reizbetonung,bald Abschreckungsmittel gegen die Feinde, bald Zeichen des Mutes und der

1) Vgl. u. a. Joseph Déchelette, La peinture corporelle et le tatouage:Revue archéologique, 1907, p. 38-50. Umstritten ist die frühägyptische Tätowierung.Während Hambly( s. Anm. 16) sie seit mindestens 2000 v. Chr. für gesichert hält,äußert sich Hermann Ranke in Eberts Reallexikon Bd. 13. S. 199 sehr skeptisch.

2) Ausführliche Zusammenstellungen von Zeugnissen antiker Schriftsteller beiJoest, Truhelka und Lauffer( zu deren Schriften s. Anm. 9, 4, 11). Dazubei letzterem die frühgeschichtlichen und mittelalterlichen Belege für die germanischeund deutsche Tätowierung.

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