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Die Krankheiten der Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimos in Westgrönland : aus der Literatur zusammengestellt, mit Berücksichtigung eigener Beobachtungen
Entstehung
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Nr. 45

WIENER KLINISCHE WOCHENSCHRIFT. 1907.

kungen( warmne Tage, kalte Nächte), der große Feuchtigkeits-gehalt der Luft, ferner dieselben, wie im übrigen Grönland, nämlichdie unregelmäßige Lebensweise der Grönländer( Schwelgen zurZeit guler, Hungern zur Zeit schlechter Jagdverhältnisse), diehäufigen Influenzaepidemien, ferner der Umstand, daß die Grön-länder jetzt meist auch im Sommer in ihren wenig hygienischenHäusern wohnen, statt wie früher in Zelten, und schließlich ihreSchwärmerei für europäische Luxusartikel- besonders für Kaffeefür deren Befriedigung sie die größten Opfer, selbst mit Hintan-setzung ihrer Ernährung, bringen.

III. Im Bezirke Julianehaab. Prosch behauptet in seinemBerichte aus dem Jahre 1856, das häufige Auftreten von Hämoptoesei nicht immer auf Lungentuberkulose, sondern ebenso, wiedie zahlreichen Fälle von Epistaxis, auf eine Plethora derEskimos Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimos zurückzuführen. Fritz Jörgensen berichtet im Jahre1894, daß unter den vielen Fällen von Lungentuberkulose,die er geschen habe, sich nur einer mit rapidem Verlaufe( fünfMonate bis zum Exitus), d. h. nur ein Fall von floriderPhthise befand. Dieser Autor meint, daß die am häufigstenvorkommenden Krankheiten: 1. Lungen-, 2. Hant- und3. Augenkrankheiten seien. Professor Karl Lange berechnet dieProzentzahl der auf Lungentuberkulose kommenden Todesfällefür die Jahre 1850 bis 1861 mit 13. Er glaubt, an der Handvon Zahlen beweisen zu können, daß die Verbreitung der Tuber-kulose infolge des europäischen Einflusses in Zunahme begriffensei. Langes Angaben dürften aber nicht ganz verläßlich sein,da sie, wie er selbst zugibt, zum Teil auf Beobachtungen vonLaien beruhen. Fritz Jörgensen hingegen glaubt nicht, daßdie Ausbreitung der Tuberkulose in Zunahme begriffen sei; ersagt, es gehe aus alten Quellen hervor, daß sie schon vor derKolonisation des Landes, d. h. vor 1721, vorhanden gewesen sei.Es liegen Berichte von Hans Egede( 1741) und von Lars Dalager( 1752) vor, aus denen hervorgehe, daß damals schon Tuber-kulose bei den Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos vorhanden war; sie erzählen nämlichwiederholt von, brystsvaghed", d. i. Brustschwäche. Fritz Jör-gensen ist im Gegensatze zu Kjaer der Ansicht, daß dietuberkulöse Infektion häufiger durch die Luftwege als durch denVerdauungstrakt geschehe.

Bakteriologische Untersuchungen der Sputa wurden von FritzJörgensen in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhundertsund von Dr. Gustav Meldorf in den Jahren 1901, 1902 und1903 angestellt. Der weitaus größte Teil der hier benützten Be-richte über die Lungentuberkulose stützt sich also nicht aufbakteriologische Untersuchungen und ist insofern nicht ganz ver-läßlich, soweit Zahlen zum Beweise der Verbreitung der Krank-heit gebracht werden.

B. Knochen tuberkulose.

Häufig scien Skoliosen auf tuberkulöser Grundlage, Psoas-abszesse, Coxitis tuberculosa und Spondylitis tuberculosa mitKompressionsmyelitis kombiniert.

C. Meningitis tuberculosa.

Dr. Meldorf meint, daß nahezu alle Meningitiden tuber-kulöser Natur seien. R. Beuzen schreibt in einem diesbezüg-lichen Berichte aus dem Jahre 1902, daß 45% sämtlicher Todes-ursachen Meningitis tuberculosa sei.

D. Larynxtuberkulose.

Laryngitis tuberculosa kommt, behauptet Dr. Meldorf,häufig primär vor. Da Diphtherie und Krupp bei Grön-ländern so gut wie gar nicht vorkommen, so sei wohlunter der Bezeichnung Halsentzündung", Halskrankheit" usw.,wie sie oft von laienhafter Seite als Todesursache angegebenwerden, immer Laryngitis tuberculosa zu verstehen. SekundäreFälle von Laryngitis tuberculosa im Endstadium einer Lungen-phthise mit Unmöglichkeit des Schluckens seien auch häufig.Im Gegensatze zu Dr. Meldorf betrachtet Dr. Kjąer die Laryn-gitis tuberculosa bei den Grönländern als ein leichtes Leiden.E. Urogenital tuberkulose.

Eine tuberkulose Nephritis sei deshalb häufig an-zunehmen, weil man in vielen Fällen Blut im Harn finde. Orchitisund Epididymitis tuberculosa scien auch nicht selten. Kjaerbehauptet( 1902), daß viele Männer mit einer alten tuberkulösenSkrotalfistel anzutreffen seien.

F. Die Darmtuberkulose und die Peritonitis tuber-culosa.

Dr. Meldorf behauptet, daß Darmtuberkulose selten seiund meist gegenüber der gleichzeitig bestehenden Lungentuber-kulose ganz in den Hintergrund trete, falls sie doch vorhandensei. Die Infektion könne nicht durch Milch geschehen, da die

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Grönländer nahezu nie Milch trinken. Anderseits meint Mel-dorf, daß die chronische Diarrhoe, Magenentzündung und Wasser-sucht, die von Laien oft als Todesursachen angeführt werden,häufig Tuberkulose des Darmes oder des Peritoneums sei.

G. Skrofulose.

Dr. Meldorf teilt mit, daß er während eines sechsjährigenAufenthaltes in Grönland nur drei Fälle von skrofulösen Lymphomen des Halses gesehen habe. Kjaer und Lange hingegenbehaupten, daß diese Erkrankung häufig sei. Meldorf erwähntferner, oft skrofulöse Ekzeme des Gesichtes, skrofulöse Ophthalmien, niemals aber einen Fall von Lupus vulgaris gesehenzu haben. Hinsichtlich des Lupus vulgaris stimmtKjaer mit Meldorfs Ansicht vollkommen überein.

H. Akute allgemeine Miliartuberkulose.Von dieser Krankheit hat Dr. Meldorf nur einen einzigenFall während seines sechsjährigen Aufenthalles in Grönland ge-sehen. Es handelte sich um eine 44jährige Grönländerin, diegleichzeitig Symptome einer Meningitis, einer Lungen- und einerAbdominalaffektion darbot. Die Patientin starb nach einer zwei.bis dreiwöchentlichen Krankheitsdauer. Es konnte keine Obduk-tion vorgenommen werden, daher war die Diagnose nicht voll-kommen sicher. Auf jeden Fall scheint die akute allgemeineMiliartuberkulose eine ungemein große Seltenheit zu sein, davon anderer Seite keine derartigen Fälle vorliegen.

Aus Gustav Meldorfs Abhandlung Fra en Vaccina-tionsrejse i Eignen omkring Kap Farewell i Efteraaret 1900"( Von einer Vakzinationsreise in der Gegend um das Kap Farewellim Herbste 1900), erschienen im Jahre 1902 in den ,, Meddelelserom Gronland"( Mitteilungen über Grönland) Bd. XXV, entnehmenwir folgendes: Dr. Gustav Meldorf war um diese Zeit Distrikts-arzi in Julianehaab u. zw. von 1897 bis 1903. Er unternahmeine ärztliche Inspektionsreise in die Gegend des Kap Farewell.Dort waren gerade um diese Zeit ungefähr 40 Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos ausOstgrönland angekommen, welche er gelegentlich der vorzu-nehmenden Impfung auf ihren Gesundheitszustand untersuchte.Es ergab sich, daß die allermeisten Zeichen von Lungen-tuberkulose darboten. Diese Ostgrönländer waren nach-gewiesenermaßen nicht oder nahezu nicht mit Europäern in Be.rührung gekommen, sie konnten also ihre Lungentuberkulose nicht aus Europa bezogen haben. Dieser Umstand undältere Literaturangaben bezüglich der Westgrönländer machen eswahrscheinlich, daß die Phthisis pulmonum der Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos nichtauf europäischen Einfluß zurückzuführen ist, wie es von manchenSeiten behauptet wird, sondern in Grönland von jeherautochthon war, was zum Teil auch aus Bemerkungen der imvorhergehenden besprochenen Abhandlung Meldorfs über dieAusbreitung der Tuberkulose ersichtlich ist.

Aus der Abhandlung von Dr. Gustav Meldorf: Sozialeog hygieniske Forhold i Gronland"( Soziale und hygienische Verhältnisse in Grönland) in dem Sammelwerke Bibliothek forlaeger"( Bibliothek für Aerzte) 1904, S. 835, entnehmen wir:Sehr häufig sind die bereits früher erwähnten Hautaffek.tionen, welche gewöhnlich dadurch noch verschlimmert werden,daß auf exulzerierte oder exkoriierte Stellen der Haut Eider-vogelfelle, mit der behaarten Seite der Haut zugekehrt, gelegtwerden, da diese Methode als Volksheilmittel gilt.

Blepharitiden und Blepharokonjunktivitidensind ungemein verbreitet, hervorgerufen durch große Unreinlichkeitder Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos, das Einwirken von Schneelicht und dem massen-haften Gebrauche von Schnupftabak, dem besonders die altenLeute beiderlei Geschlechts huldigen.

Infolge der Gewohnheit der Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos, durchnäßte Kleidungs-stücke am eigenen Leibe trocknen zu lassen, gibt es zahlreicheFälle von Gelenks- und Muskelrheumatismus. Magen-und Darmaffektionen infolge des Genusses von verfaultemFleische der verschiedensten Tiere und großer Unreinlichkeit beimZubereiten der Speisen gehören zu den gewöhnlichsten Erschei-nungen. Verfaulte Seehundsköpfe gelten sogar als Delikatese.In seinem Artikel Forgiftninger) i Gronland"( Ver-giftungen in Grünland), in der Bibliothek for laeger"( Bibliothekfür Aerzte) 1907, beweist Meldorf zum Teil aus der Literatur,zum Teil aus eigenen Beobachtungen, daß Ptomainververgiftungen sehr häufig sind. Die Ursachen waren Genußvon verfaultem Walfisch-, Walroß-, Lachs- oder Fischfleisch über-haupt. In einem Falle war rohes Seehundsblut in einen Seehunds-Diese Abhandlung habe ich erst nach meiner Rückkehr ausGrönland zur Ansicht bekommen, da sie erst 1907 erschienen ist. Nurder Vollständigkeit halber will ich sie hier besprechen.