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WIENER KLINISCHE WOU JENSCHRIFT. 1907.
Schädlichkeit, bzw. Nutzlosigkeit der Vakzination breit-spurig darlegte. Seine Haupteinwürfe waren, daß die Vakzinenicht für die ganze Lebenszeit vor den Blattern schützeund daß ihr ein Heer von Uebeln( z. B. Konvulsionen, Aus-schläge, Atrophie, Skrofulose, Zahnkaries) nachfolge; gutenWillen zeigte dieser Gegner wenigstens darin, daß er für dasAuftreten der hitzigen Bräune und der hitzigen Hirnwasser-sucht" die Vakzine nicht verantwortlich machen wollte. Ganz
Nr. 45.
In der Folgezeit blieb Wien zwar von Blatternseuchennicht verschont, wozu neben der Mangelhaftigkeit der Kon-Lumazeinrichtungen die höchst ungenügende Durchführungder Impfung( kein Impfzwang, keine Revakzination) dasMeiste beitrug. Niemals aber forderte die Seuche wiederauch nur annähernd so viele Opfer als in der Epoche vorder Einführung der Vakzination!
vergaß er eben doch nicht, daß er Arzt war, im Gegensalze Die Krankheiten der Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimos in Westgrönland.
zu manchem seiner würdigen Nachfahren von heute! Undsonderbar genug mutet es an, wenn Gölis am Schlusseseiner Anklageschrift sogar Vorschläge für die modifizierte.Ausführung der Impfung und deren Regelung durch eineKommission macht. Die medizinische Fakultät, welcher dasPamphlet zur Begutachtung zugewiesen wurde, hatte in derBeantwortung leichtes Spiel, sie brauchte sich nur inner-halb der Erfahrung und der wissenschaftlichen Beobachtungzu halten, um das Machwerk energisch widerlegen zukönnen. Die Beschwerdeschrift des Dr. Gölis unddie durch die Fakultät Punkt für Punkt erteilteAntwort( Mediz. Jahrbücher, 1, 3. Stück, Seite 81 bis 159)ist in Anbetracht des heutigen Impfstreiteswieder von Interesse geworden, weil man deutlichaus der Lektüre ersehen kann, wie arm die modernen Impf-gegner an originellen Ideen sind.
Wie weit sich die Impfgegner in ihren absurden Aus-fällen verstiegen, erhellt am besten aus dem Vorwurfe, diedamals gerade herrschende Scharlachepidemie sei eine Folgeder Impfung. Bezüglich ihrer Angabe, man beobachte seitEinführung der Vakzination mehr Kinderkrankheiten alsfrüher, bemerkte Bremser, es erkläre sich dies unge.zwungen aus der Tatsache, daß vorher eben eine viel größereZahl von Kindern in dem frühesten Lebensalter an Blatternzugrunde ging.16)
Die Behörden schenkten glücklicherweiseder Pseudowissenschaft der Impfgegner kein Ge-hör. Im Gegenteil, man erneuerte und verschärfte die früheren Erlässe! In dem Zirkular der k. k. Landesregierungim Erzherzogtume Oesterreich unter der Enns, vom 24. März1812, heißt es unter anderem: ,, Acht Wochen nach der Kund-machung dieser Anordnung wird ein landesfürstlicher Beamter mit einem Implarzle von Haus zu Haus, von Wohnungzu Wohnung sich begeben, um jenen Individuen, welcheweder geblattert haben, noch vakziniert sind, die Kuhpockenunentgeltlich zu impfen. Die Familienhäupter, welche dieVakzination verweigern, werden samt den Individuen, dieder Impfung bedürfen, zu Protokoll genommen und das Ver-zeichnis wird der Hofstelle eingesendet werden.... AchtWochen nach der Kundmachung dieser Verordnung, werdendie Eltern und die Vormünder eines jeden Individuums,welches an den natürlichen Blattern starb oder durch dieselben verkrüppelt wurde und von dem die überstandenéVakzination nicht nachgewiesen werden kann, mit Namen,Stand und Wohnung in der Zeitung der Provinz bekanntgemacht, als vom Vorurteile geblendete Menschen, welche.ihre Angehörigen lieber in der schmerzvollen Krankheit derBlattern zugrunde gehen, oder verkrüppeln lassen, als siemittels eines so leichten und sicheren, von Gott und derStaatsverwaltung ihnen angebotenen Mittels, der Kuhpocken-impfung, am Leben erhalten wollen."( Mediz. Jahrbücher, I,4. Stück, S. 46 und 47.)
Wie diese lobenswerten Verordnungen in praxi aus-geführt wurden, wissen wir nicht bestimmt, daß sie abergefruchtet haben, beweist der Vergleich der Tabellen derJahre 1811 und 1812.10)
Im Jahre 1811 wurden in Wien vakziniert 3091 und starbenan Blattern 637.
Im Jahre 1812 wurden in Wien vakziniert 6191 und starbenan Blattern 148.
15) Medizinische Parömien( Wien 1806), S. 285.
1) Mediz. Jahrbücher, III( Wien 1817), 2. Stück, S. 48 und 71,
Aus der Literatur zusammengestellt, mit Berücksichtigung eigener
Beobachtungen.
Von Dr. Rudolf Trebitsch.
Als ich in den Sommermonalen Juni, Juli und August desJahres 1906 das dänische Westgrönland bereiste, versuchte ich,soweit es die kurze Zeit zuließ, mich über die Krankheitsverhältnisse der Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimos durch Augenschein zu orientieren. Zuvor hatteich die einschlägige dänische Literatur studiert. Aus ihr gehtunter anderem hervor, daß die 200 dänische Meilen lange dänischeWestküste nur drei Aerzte aufzuweisen hat. Diese Angabe istMeldorfs Sociale og hygieniske forhold i Gronland 1904, Bi-bibliothek for lacger", entnommen( auf Deutsch: Soziale und hygie-nische Verhältnisse in Grönland 1904, Bibliothek für Aerzte).Der Umstand, daß die Grönländer in Ansiedelungen zu mehrerenHunderten, oder in noch geringerer Zahl beisammen wohnen unddiese Ortschaften durch die elenden Verkehrsverhältnisse von-einander beinahe abgeschlossen sind, sowie die Tatsache, daßdie Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimos nahezu ausschließlich Jagd und Fischerei betreibenund von Seehundsfleisch, Fischen und Kaffee, ausnahmsweise auchvon Vögeln, leben, erklären es wohl, daß man hier ganz besondereKrankheitsverhältnisse antrifft.¹)
Aus dem Jahre 1864 datiert K. Langes in der„ Bibliothek.for laeger"( deutsch: Bibliothek für Aerzte) erschienene Abhand-lung: Om Grönlands Sygdomsforhold"( deutsch: Ueber GrönlandsKrankheitsverhältnisse).
Die immer zunehmende Ausbreitung der Tuberkulosesei, behauptet Karl Lange darin, auf das Eindringen der euro-päischen Kleidung, welche für das dortige Klima zu leicht seiund den intensiven Genuß von Kaffee zurückzuführen. Die Reiheder Krankheiten, nach ihrer Häufigkeit geordnet, in abnehmenderAufeinanderfolge, sei diese:
1. Tuberkulose( alle anderen Krankheiten seien im Vergleiche zu dieser weitaus seltener). Nach der Tuberkulose sciendie Hautkrankheiten am häufigsten.
2. Skabies.
3. Ekthyma.
4. Ekzema.
5. Ekzema impetiginosum.
6. Furunkulosis( die einzelnen Furunkel werden oftsehr groß).
Als Ursache der Häufigkeit der Hautkrankheiten wird 1. die.Unreinlichkeit der Grönländer; 2. die Kleidung 2)( Reizung derHaut durch Vogelbälge) angeführt. Der Verfasser nimmt an, daßdie Zahl der Hautkrankheiten bei den Grönländern seit Einführungder europäischen Tracht abnehme. Das ist auch sehr wohl er-klärlich, da das Tragen von Leinwand in Form von Hemdendie Haut weniger reizen mag, als die Felle von Tieren, welchebei der früheren Tracht mit dem Leibe des Trägers in unmittel-baro Berührung kamen.
Lange meint, daß die Grönländer sicherlich infolge derschädlichen Einflüsse der europäischen Kultur ebenso aus-sterben werden wie alle anderen Naturvölker Glossar ::: zum Glossareintrag Naturvölker. Aus statisti-schen Daten, die ich im Sommer 1906 zu Gesicht bekam, gehtjedoch hervor, daß sich die Bevölkerungsziffer des däni-schen Westgrönland in stetiger, wenn auch geringer Zunahmebefindet. Die Angaben sind unbedingt verläßlich, da sie Zählungen entstammen, die im Auftrage der dänischen Regierungvorgenommen wurden. Es betrug nämlich die Bevölkerungszahldes dänischen Westgrönland im Jahre 1890 10.245, im Jahre 190411.790 Einwohner.
Im Jahre 1894 berichtet Dr. Helms über Syphilis inGrönland in der Ugeskrift for laeger"( Wochenschrift für Aerzte).1872, erfahren wir hier, gab es Syphilis in Ivigthut und 1874in Asuk, beide in Südgrönland. Eingeschleppt wurde die Krank-heit durch ausländische Bergwerksarbeiter. Es wurden ungefähr
1) Die Literatur ist in möglichst chronologischer Aufeinanderfolgeangegeben.3) Das Oberkleid der Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimos im dänischen Wealgrönland bestanddamals und besteht auch heute zumeist aus Vogelbälgen.
OSTER
MUSEU
WIEN
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12.7.2013