Einleitung.
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Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimmsind trotz der hohen Stellung, die sie in der Geschichteder deutschen Litteratur einnehmen, noch nicht zum Gegen-stand einer wissenschaftlichen Untersuchung gemachtworden. Zwar hat die Forschung reiche Nachweise überdie Verbreitung des internationalen Märchenstoffes geliefertund indirekt dadurch auch die Grimmsche Sammlung ineine hellere Beleuchtung gerückt, aber es fehlt an einerArbeit über das Zustandekommen des Werkes selbst.Auch Stil und Sprache blieben bisher noch ungeprüft,obgleich sie doch eigenartig genug vom Herkömmlichenabweichen und schon durch die Neuheit zu näherer Be-trachtung einladen müssten. Der Poesie der Erzählungenhat sich niemand entziehen können:„ Die Märchen habenuns bei aller Welt bekannt gemacht", schreibt WilhelmGrimm schon 1815 an seinen Bruder Jakob'), und heuteist das Buch in ungezählten Exemplaren verbreitet. EinAbglanz dichterischen Ruhmes fällt auf die Herausgeber.Es war aber auch eine Art poetischer Tätigkeit, welchedie Sammlung entstehen liess; denn obwohl die Geschichtenmeist getreu der Überlieferung nacherzählt wurden, undder Titel des Buches bescheiden nur von der Arbeit desSammelns spricht, so besteht doch kein Zweifel, dass dieBrüder Grimm in Stil und Ausdruck vielfach bessernd undergänzend nachgeholfen haben. Das gestehen sie auchselbst ein:„ Es ist natürlich", schreibt Wilhelm an Achim
1) Briefwechsel zw. J. u. W. Grimm S. 475.
Palaestra XLVII.
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