Druckschrift 
brücken:schlag : die "Czernowitzer Austria" - politische Symbole und neue Identitäten in Europa ; [dieser Katalog erscheint anlässlicher der Ausstellung ... im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien, 2. März bis 29. April 2007]
Entstehung
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RÓZA EL- HASSAN+ ANNA CSÖRGÖ

( Keine) Heile- Welt- Konzeption

Eigentlich war ich aller Identitätsdiskurse müde, als mich Barbaraund Abbé zum ersten Mal in Budapest besucht haben. Ich suchtegerade neue Wege, um diese Fragen, die wir seit Jahren Identi-tätsproblem nannten, endlich durch etwas anderes in der Kunstabzulösen. In einem gewissen Sinne habe ich seit Jahren meineIdentität und mein Privatleben ausgebeutet, um Kunst zu schaffen.In Deutschland aufgewachsen und halb syrischer, halb ungarischerHerkunft schien das Multiple meiner nationalen Identitäten undZwiespältigkeiten eine hervorragende Basis für Kunstprojekte zusein, die zu öffentlichen politischen Debatten beitragen konnten. Obin Projekten, in denen es um persönliche und sehr unmittelbareÄngste und Depressionen ging, die der Krieg im Nahen Osten aus-löste, oder in Ausstellungen, in denen der Ost- West- Konflikt inEuropa nach dem Fall der Mauer analysiert wurde immer war dieVerantwortung gegeben, sich künstlerisch- sprachlich präzise undradikal auszudrücken, so wie es öffentliche Verantwortungs-trägerinnen( auf ihre Weise) auch tun.

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Beim Austria- Projekt dachte ich zuerst: nein, schon wieder ein Pro-jekt, bei der» political correctness«< demonstriert, soziale Unge-rechtigkeit durch Kunst sichtbar gemacht oder gar durch Kunst aus-geglichen werden soll- Letzteres ist eine besonders fadenscheini-ge Strategie vieler politischer und radikal- aktivistischer Projekte derjüngeren Zeit.

In den letzten Monaten ist die» Czernowitzer Austria« allerdings zueinem meiner Lieblingsprojekte geworden. Auch hat mich das En-gagement von János Sugár angesteckt, der auf eine sehr individu-elle Weise seine Obsession zeigte, als er uns von den Skizzen zuseiner» Austria<«< erzählte und den Ausstellungsort( das Budapesteralternative Kulturzentrum Tüzraktér, Anm. d. Red.) in Ungarn fand-und natürlich haben Barbara und Abbé dazu beigetragen, die immerwieder nach Budapest gereist sind, um sich mit mir und meinerTochter zu unterhalten, ohne sich von diversen Problemen, meinemMisstrauen und einer gewissen Schwerfälligkeit abschrecken zulassen.

Meine Tochter Anna und ich stellen die Austria- Skulptur gemeinsamher. Anna ist zwölf Jahre alt, zeichnet gerne viele Mangas und fin-det Ausflüge nach Wien super. Den Kuratoren und auch Anna seiversichert, dass der Anteil an» Kinderarbeit nicht übertrieben wird.und dass auch der politisch- kritische Aspekt nicht durch das Bildeiner>> heilen Welt«< abgelöst werden soll. Vielmehr hilft mir Annadabei, spielerische Elemente in die Kunst zu bringen.

Das Wissen um die Probleme krasser sozialer Gefälle zwischenCzernowitz und Wien und Budapest sowie um postkolonialistischeStrukturen der Überheblichkeit ist nie zu verleugnen. Gleichzeitigaber lässt sich das Potenzial der Kunst und Musik nützen, nicht inKategorien zu denken-, um so z.B. eine postkoloniale Inquisitorin