Druckschrift 
brücken:schlag : die "Czernowitzer Austria" - politische Symbole und neue Identitäten in Europa ; [dieser Katalog erscheint anlässlicher der Ausstellung ... im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien, 2. März bis 29. April 2007]
Entstehung
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Neue Freie Presse, 2. Oktober 1875:

... Die Stadt Czernowitz, ihrer Anlage und Bauart nach eine derweitläufigsten und unregelmäßigsten Europas, besaß vor kurzemund besitzt im Grunde auch heute nur noch einen einzigen voll-ständig regulierten und ausgebauten Platz, den Ringplatz. Er alleinist von hübschen Häusern eingefasst und macht durch seineGröße, Regelmäßigkeit und Umgebung einen großstädtischenEindruck. Er liegt überdies im Zentrum der Stadt, und hier erhebtsich auch das städtische Rathaus. Hier, im Zentrum allen Verkehrs,war der einzig richtige Platz für das Denkmal. Wird doch die Austria-Statue der einzige wertvolle künstlerische Schmuck der jungenStadt sein und voraussichtlich für lange Zeit hinaus bleiben. Undseinem Schmuck, seinem Stolz und seiner Zierde pflegt man dochsonst den besten Platz anzuweisen und ihn an jene Stelle zu set-zen, wo er am meisten gesehen werden kann...

Leider war die Majorität der Stadtväter- allerdings eine Majorität,welche die Minorität nur um eine Stimme überwog anderer An-sicht. Geht man anderwärts von dem Grundsatze aus, ein Denkmaldahin zu stellen, wo die Umgebung seiner architektonisch würdigist, so rückte man diesmal unser Denkmal als einen Vorkämpfer desSchönen in eine wüste Umgebung, damit diese hierdurch um sorascher schön werde. Außer dem Ringplatz besitzt Czernowitznämlich noch einige unregulierte Plätze. Der größte unter ihnen istder Criminalplatz, so genannt von dem düstern Gebäude der Straf-justiz, welches sich da erhebt. Der größte, aber auch der abgele-gendste und bis vor wenigen Jahren auch der wüsteste. In letzterZeit ward freilich einiges dafür getan. So ward dort das prächtigeund stilvolle Regierungsgebäude gebaut, welches freilich mit seinenNachbarn, elenden Hütten und Häuschen, in überaus schroffer Wei-se kontrastiert. Nun erhebt sich dort ein noch grellerer Kontrast ge-gen die armseligen Baracken, das Austria- Denkmal. Der Criminal-platz wurde reguliert und in Austriaplatz umgetauft. Das erstere hatihn wenig, das letztere gar nicht verschönert. Hoffentlich haben jeneHerren mindestens richtig kalkuliert, und die Besitzer der Barackengehen in sich und bauen an deren Stelle europäische Häuser hin.Hoffentlich!

Das Austria- Denkmal würde wenigstens diese Verschönerung sei-ner Umgebung redlich verdienen. Denn es ist ein schönes undwenn auch nicht geradezu meisterhaftes, so doch sehr gelungenesWerk. Das Erstlingswerk eines vielversprechenden Talents. DerMeister, Karl Peckary, Professor an der hiesigen, nebenbei be-merkt, ganz trefflichen Gewerbeschule, ist ein sehr junger Mann. Erist 1848 in Wien geboren.

Das Monument, welches sich in der Mitte des Platzes erhebt und sogestellt ist, dass die Austria auf die Stadt, welche zu ihren Füßenden Bergabhang bedeckt, herabblickt, hat eine Gesamthöhe vonetwa 26 Fuß( 8,2 m). Es besteht aus einem Postamente, einemBasrelief und der Hauptfigur. Das Postament ist aus BukowinerSchleifstein, einem genügend widerstandsfähigen Gestein, wel-ches, anfangs grau, später unter dem Einfluss der Temperatur