Vorwort
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Das Begleitbuch zu einer Ausstellung auf der Schallaburg im Jahr2000 unter dem Titel Spurensuche Czernowitz und die Buko-wina verzeichnete zur Erläuterung einer Postkarte, die dasAustria- Denkmal in Czernowitz zeigte:» Das Denkmal verschwandin rumänischer Zeit; über seinen Verbleib ist nichts bekannt«( S.112). Drei Jahre später, im Mai 2003, kam die Marmorstatue beiBauarbeiten im Hof eines Bankgebäudes( des früheren Gewer-bemuseums) überraschend wieder zum Vorschein, als Torso, ohneKopf, ohne Arme, doch immerhin. Laut einer Meldung vom Juli 2006soll bei einem Altwarenhändler in Czernowitz nun auch der Kopf derStatue wieder aufgetaucht sein.
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Ein derartiger Fund wirft Fragen auf: nach der Geschichte dieserSkulptur, nach ihrer symbolischen Funktion, nach den Umständenihres Verschwindens und einmal wieder aufgefunden nach ei-nem adäquaten Umgang damit in der Gegenwart. Barbara Zeidler,Abbé Libansky und die Kuratoren Maria Anna Potocka und LucasGehrmann veranlasste der Fund zu einem internationalen Kunst-und Kulturprojekt. Künstler aus Ungarn, der Slo- wakei, Polen, derUkraine und Österreich beschäftigten sich mit der Neuinterpretationjeweils eines originalgetreuen Abgusses der Statue, um deren sym-bolische Bedeutungen freizulegen.
Ein Teil des Gesamtprojekts besteht in einer Tour der zehn Statuendurch mehrere Länder, deren Geschichte mehr oder weniger langmit»> Austria<< eng verbunden war. Die Spielorte sind Zufall und Pro-gramm zugleich. Symbolisierte in Krakau( 19. 5. 06-2. 7. 06) eineangesehene Institution den formellen Kunstaspekt des Projekts, sospiegelte der Budapester Schauplatz» Tüzraktér«<( 17. 8. 06-16. 9.06) ehereher den subversiven Charakter kritisch- politischerKunstansätze wider. In Bratislava( 7.- 28. 2. 07) fanden sich dieneuen Austria- Skulpturen in einem feudalen Bankgebäude derGründer- zeit, dem heutigen Kulturministerium, fast deplaziert plat-ziert. Dasselbe könnte man, oberflächlich betrachtet, vom Öster-reichischen Museum für Volkskunde im ehemaligen GartenpalaisSchönborn in Wien meinen, wo die Ausstellung vom 1. März bis 29.April 2007 zu vielfältigen Auseinandersetzungen mit dem spannen-den Thema der politischen Symbole und neuen Identitäten inEuropa anregen wird.
Mit dieser Behauptung läge man jedoch gründlich falsch, denn inWien wäre kein Ort für den» Brücken: Schlag passender als dasVolkskundemuseum in der Laudongasse. Der Umgang mit( u.a.politischen) Symbolen und ihre Bedeutung für Gegenwart und Zu-kunft im neuen Europa ist ein wichtiges Thema der aktuellenVolkskunde/ Europäischen Ethnologie. Wie sich Identität symbolischverorten lässt, und wie und wodurch sie sich konstruiert, war für denVielvölkerstaat Österreich- Ungarn so bedeutsam wie für das heuti-ge multikulturelle Zentraleuropa. Genau diesem Ansatz, derPräsentation und Repräsentation der Völker der Monarchie, ver-dankt das Wiener Volkskundemuseum, konzipiert als» Völker-museum<< des Kaiserstaates, seine Existenz. Und diesem Konzept