Ein Torso stellt Fragen zur Funktion, Wirkungsweiseund Rezeption politischer Symbole
Eigentlich fing alles vor mittlerweile vier Jahren an, als wir einekurze Nachricht erhielten, dass die Czernowitzer» Austria«<- Statuewieder gefunden worden sei, ohne Kopf und Arme, aber sonst ineinem guten Zustand. Wir fanden das Thema insbesondere imRahmen unserer langjährigen Aktivitäten im zentral- und osteu-ropäischen Raum an sich sehr interessant, ließen aber Ideen undGedanken dazu ruhen vor allem deswegen, weil uns eigentlichniemand wirklich Näheres über» die Austria« sagen konnte. UndEnzyklopädien über österreichische Symbole, die wir befragten,gaben uns einheitlich die Auskunft:» Austria siehe FußballclubAustria Wien«<....
Im Zuge der Orangenen Revolution im Dezember 2004 nahmen wirdie Gedankenfäden wieder auf. Unserer Meinung nach sind inZeiten derartig starker politischer Veränderungen positive Signalevon außen dringend notwendig. Gespräche über die weitere Off-nung der Ukraine in Richtung Europa sind wichtig und hilfreich, aberdiese Gespräche werden meist in schön restaurierten Räumen ge-führt- weit weg von den Menschen, die es eigentlich betrifft- weitweg von den Menschen, mit denen wir in Kontakt treten wollten.
Das Projekt selbst handelt von politischen Symbolen, Zeichen undMetaphern und unserem Umgang mit ihnen in öffentlichen Räumen.Die Statue der» Austria<< erachten wir als eine Basis für die künst-lerische Auseinandersetzung mit diesem Thema. Für uns war dieStatue deswegen so interessant, weil sie einst ein Symbol für( nationale) Identität und Macht war und nach 1918 einfach völligverschwand. Denn damit stellt sich hier exemplarisch auch dieFrage, was eigentlich übrig bleibt vom ganzen mächtigen Aufbauund System, wenn das Symbol selbst verschwindet!
Wir nahmen die Allegorie der» Austria«< also als Beispiel für politi-sche Symbole in öffentlichen Räumen im Allgemeinen und ludenzehn KünstlerInnen ein, jeweils einen Torso der» Austria<< in Ori-ginalgröße( in Form eines Gipsabgusses) auf der Basis dieserIdeen zu interpretieren. Die Hauptfragen waren dabei:» Was bedeu-ten/ sind Zugehörigkeit und Identität? Lässt sich Identität mittelsSymbolen verordnen? Wie wird Identität konstruiert? WelcheSymbole haben Zukunft?<<
-
Jedem/ r Künstlerin standen abgesehen von dieser» Vorgabe alleMöglichkeiten des Umgangs mit der Skulptur und der Umsetzungdes Themas offen. Natürlich birgt ein derartiger Zugang gewisseRisiken zehn KünstlerInnen aus fünf verschiedenen Ländern,jede/ r mit anderen Hintergründen und Zugängen, Männer undFrauen, zwei Altersgruppen, ein zusätzliches projektbegleitendesPerformance- Projekt... würde dabei etwas herauskommen, dasden Konzeptansatz in Form eines in sich zusammenhengendenProjekts noch zu erkennen gibt?
Das Projekt selbst stieß rasch auf eine Menge an positivemFeedback mehr, als wir auch nur gehofft hatten und es geriet
-