Wissenschaft
Forschen und Publizieren haben am Österreichischen Museum fürVolkskunde große und lange Tradition. Von 1895 bis 1939 war dasMuseum der wichtigste Ort in Österreich, an dem das Fach Volkskundelangfristig institutionell verankert war. Die Museumsgründer haben hierexemplarische Aufbauarbeit geleistet, gefolgt von Leopold Schmidt,Direktor des Hauses von 1946 bis 1978, der ein beispielloses wissen-schaftliches Gesamtwerk hinterlassen hat. Die Nachfolger im Amt führtenund führen die universitäre Lehrtätigkeit fort und forschten und forschen,dem Lehr- und Lernort Museum entsprechend, dicht am Material.So fanden am ÖMV/ EMK, allein oder in enger Zusammenarbeit mitbefreundeten Institutionen veranstaltet, von 1995 bis 2005 22 meistinternationale Symposien statt, deren inhaltliche Ausrichtung dernebenstehenden Auflistung zu entnehmen ist. 13 Forschungsprojekteund 11 ausstellungsbegleitende Vortragsreihen standen in engemZusammenhang mit der Wissensproduktion für Ausstellungsthemenund sind in entsprechenden Publikationen dokumentiert.
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Wissenschaft und Forschung in denMuseen dienen der Auseinander-setzung mit der historischen wie zeit-genössischen Dingkultur sowie derAusstellungsproduktion. Dazu bedarf esder Definition kurz- und längerfristigerForschungsprojekte, die mit entspre-chenden Finanz-, Human- undZeitressourcen ausgestattet sind.Gegenstand dieser Projekte sindeinerseits die Sammlungen selbst undandererseits aktuelle gesellschaftlicheEntwicklungen mit der Zielvorstellung,inhaltliches Kapital zu schaffen, dasgenügend Potential in sich birgt,Kultur in Geschichte und Gegenwartinterpretieren zu können.
Im Gegensatz zu vergangener partiellerWahrnehmung von Volkskultur, bei-spielsweise als traditionelle
Bauernkultur", gilt es heute- ohneVernachlässigung historischer Ent-wicklungsprozesse- Ganzheiten zubetrachten: Stadt und Land sowieÜbergangszonen, ihre unterschiedlichenBevölkerungen, ihre alltäglichenLebensweisen sowie ihre alten undneuen sozialen Schichtungen, ihreUnterschiede wie auch ihre- häufigverdeckten- Ähnlichkeiten. Darüberhinaus haben sich die Museen auchmit dem das Fach prägendenGegensatzpaar ,, traditionell" und
,, modern" auseinanderzusetzen.
Die Auflösung dieser Positionen kannin der Untersuchung realer Ungleich-zeitigkeiten sowie realer Mixturen vonmodernen und vor- oder außermoder-nen Kulturmustern geschehen.Tiefenstudien( Prozesse, Ursachen,Dynamik) der sozialen Strukturen undkulturellen Gegebenheiten in ihrengemeinsamen, unterschiedlichen oderidentitätsbestimmenden Dimensionenund die Präsentation von Sammlungs-beständen als Zeugnisse gesellschaft-licher Entwicklung und Mittler zwischendem Fremden und dem Eigenen, sindGaranten für das Erkennen und Ver-stehen von Überlieferungs- oderErinnerungsprozessen.