Vorwort
Das Österreichische Museum für Volkskunde mit EthnographischemMuseum Schloss Kittsee( im folgenden ÖMV/ EMK) nimmt als Museum fürEuropäische Ethnologie eine zentrale Stellung innerhalb der europäischenKulturmuseen ein. Vor dem Hintergrund der neuen politischen Rahmen-bedingungen intensiviert das ÖMV/ EMK mit seinen historischen Samm-lungsbeständen zur Volkskunst Zentral- und Südosteuropas die wissen-schaftliche Zusammenarbeit mit den entsprechenden Fachinstitutionendieser Länder. Bestehende internationale Kontakte machen die beidenMuseen zu Orten des wissenschaftlichen und kulturellen Dialogs in einemsich politisch und gesellschaftlich neu formierenden Europa.
Gerade in diesem Europa der Transformation sehen wir unsere Auf-gabe in einer fundierten Kulturanalyse, die Gemeinsamkeiten sowieDifferenzierungen erfasst und interpretiert und so zum besserenVerständnis eigener und fremder Kulturmuster beiträgt. Die beidenMuseen arbeiten im Sinne des Faches Volkskunde/ EuropäischeEthnologie als einer Gegenwartswissenschaft mit historischerOrientierung. In Ausstellungen und Veranstaltungen beschäftigen siesich mit Alltagskulturen und Lebensstilen in Europa in deren regionalen,nationalen wie globalen Ausprägungen und Auswirkungen.
Die beiden Museen sind wie andere Museen auch- in den vergangenenJahren zwischen die Mühlsteine der Kommerzialisierung des Kulturbe-triebes und der Propagierung einer undifferenzierten Eventkultur geraten.Bewertungskriterien wie Eigendeckungsgrad und Besucherzahlen sindvor die Erfüllung der Kernaufgaben des Museums und das Anlegen vonWertmaßstäben getreten. Diese gesellschaftlichen und kulturpolitischenVeränderungen werfen ihr Licht( und ihre Schatten) auch auf jene Instituti-onen, die dazu aufgefordert und angetreten sind, solche Veränderungen ineinem breiten Kontext zu dokumentieren und forschend zu deuten.
Um dieser Entwicklung adäquat zu begegnen schien es an einem wichti-gen Punkt für die Geschichte und Zukunft des ÖMV/ EMK angebracht,Bilanz über die Arbeit der beiden Museen im vergangenen Jahrzehnt zuziehen und Perspektiven für zukünftige gemeinsame Vorgangsweisen zuentwickeln. Die Direktion der beiden Häuser war in den letzten Jahrenim Rahmen einer kleinen Projektgruppe und darüber hinaus im Dialogmit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um die Entwicklung eineszeitgemäßen Museumsprofils, Arbeitsstils und Qualitätsmanagementsbemüht. Die bisherigen Ergebnisse dieses Diskussionsprozesses unddessen kreative Inputs legen wir hier vor.