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Das Erzherzog Rainer-Museum für Kunst und Gewerbe in Brünn : anlässlich des vierzigjährigen Bestandes des Museums im Auftrage des Kuratoriums hrsg
Entstehung
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So mußten, namentlich des geistigen Zusammenhangeswegen, aus den übrigen Ländern Österreichs die figür-liche Holzschnitzerei Tirols, Salzburgs, Ober- undNiederösterreichs( Tafeln VI- IX), die Gläser Böhmensund Schlesiens( Tafel XLV) und Wiener Porzellan( Tafeln XLIII- XLIV) erworben werden. Auch das feineSchieferrelief mit der Kreuzigung Christi( Tafel X)und die schöne Bergkristallkanne( Tafel XLV) sindösterreichischer Herkunft.

Das Museum konnte sich ja gleich allen seinenSchwesteranstalten der allmählich aufdämmernden Er-kenntnis nicht verschließen, daß die besten Leistungenabgelebter Zeiten wohl als Muster im Sinne vorbildlicherTüchtigkeit, nie aber als Kopistenvorlagen dienen durften.Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erkannte manendlich die Gefahren, die dem heute schaffenden Geschlechtaus dieser sklavischen Nachahmung erwachsen waren. Undda erst stellte sich heraus, daß den Kunstgewerbemuseenja eigentlich viel weitere und höhere Ziele gestecktwaren: ihnen obliegt keineswegs bloß die Erziehung desGewerbes was finge auch der geschickteste Kunst-handwerker ohne Auftraggeber an? sondern die Museenhaben auf vielfältig verschlungenen Wegen, durch An-schauung und technische Aufschlüsse, wie vor allem durchwissenschaftliche Bearbeitung ihres unendlich großenArbeitsgebietes den Kenner, den Käufer, Besitzer undMarkt zu erziehen.

So kamen zunächst italienische, französische, nord-deutsche, niederländische Möbel( Tafeln XIII- XIV,XVI- XVII, XX- XXII, XXIV) und erst jüngst die schöneSchaffhausener Renaissancestube von 1659( TafelnXXVII- XXVIII) mit dem Winterthurer Ofen desAbraham Pfau von 1640( Tafel XXXII) in die Sammlung.Erst durch sie ward es möglich, Vergleichspunkte mitder heimischen Arbeit zu gewinnen. Daß in der erstenSammelfreude zur Zeit der Achtzigerjahre auch manch>> verschöntes<< und ergänztes Möbel deutscher Renaissancesich hieher verirrt, kann nicht Wunder nehmen; sofernvereinzeltes davon auch in diesem Werke Aufnahmefinden mußte, ist dies ausdrücklich bemerkt.

Venezianisches Glas und Elfenbein( Tafeln XI undXLV), rheinische Schnitzarbeit( Tafel V) und Meissner,Frankenthaler Porzellan( Tafel XLII), Bayreuther,rheinisches und fränkisches Steinzeug, NürnbergerFayence und Zinn durften nicht fehlen.

Viele der Hauptstücke, so namentlich die schönenitalienischen und spanischen Majoliken( Tafeln XXXVIbis XXXVIII), den prachtvollen spätgotischen Wirkteppich( Tafel XLVII) als Leihgabe, die Schweizer gemaltenGlasscheiben( Tafel XXVII) verdankt das Museum demnie ermüdenden Wohlwollen Seiner Durchlaucht desregierenden Fürsten von und zu Liechtenstein. Als Leih-gabe überließ das Brünner Domkapitel dankenswerter-weise die schon erwähnten interessanten Meßgewänder( Tafeln XLVIII- LI) zu sachgemäßer Aufbewahrung.

Es kann nicht Aufgabe dieses Vorwortes zu einemTafelwerke, dessen Bilder und Bildbeschreibung für sichselbst sprechen müssen, sein, auf Einzelheiten näher ein-zugehen. Man mag daraus nur ersehen, daß das Museumnicht müßig gewesen ist und besonders auf den großenVersteigerungen der letzten Jahre A. v. Lanna, LordSudeley, R. Zschille, F. v. Parpart, A. Dasch, J. Kastner,H. Wencke u. a. vom Glück begünstigt war.

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Wer sich aus dieser Veröffentlichung, durch die sichdie bewährte Verlagsanstalt und der königl. rumänischeHofphotograph S. Schramm in Wien unseren Dank er-warben, ein Urteil über unsere Bemühungen bilden will,dem wird es vielleicht auffallen, daß dieses Jubiläumswerkvon den erfreulichen Ergebnissen unseres heutigen Kunst-gewerbes keine Nachricht gibt. Es wäre indessen ein Irrtum,daraus den Schluß zu ziehen, daß hier nur Historischesaufgespeichert wird. Das widerspräche auch dem klarenWortlaut unserer Satzungen.

Was seit anderthalb Jahrzehnten das Ringen unserereigenen Zeit anzudeuten vermochte und als belebendsterAnsporn modernen, rein künstlerischen Schaffens vondauerndem Werte einem Kunstgewerbemuseum nichtfremd bleiben durfte, ist in den nachfolgenden Bildernnicht gezeigt worden, da es sich in den Rahmen dieserVeröffentlichung schwer gefügt hätte. Aber es fehlt unsnicht an berufenen und glänzenden Vertretern des Stilesunserer Zeit und wir betrachten gerade die Förderung dermodernen österreichischen Arbeit als die vornehmste undeine wahrhaft patriotische Pflicht.

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Den Bestimmungen der 1873 behördlich genehmigtenSatzungen gemäß, ist der jeweilige k. k. Statthalterin Mähren zugleich Präsident des Kuratoriums, so seit:1873 Philipp Freiherr Weber von Ebenhof,1874 Ludwig Freiherr Possinger von Choborsky,1879 Franz Ritter Kallina von Urbanow,1880 Karl Freiherr von Korb- Weidenheim,1881 Dr. Friedrich Graf Schönborn- Buchheim,1888 Hermann Ritter von Loebl,1893 Alois Freiherr von Spens- Booden,1900 Karl Graf Zierotin,

1908 Dr. Karl Freiherr von Heinold,1911 Oktavian Freiherr Regner von Bleyleben.

Die Leitung des Museums oblag anfänglich einemDirektorium, an dessen Spitze

1873 Hochschulprofessor Friedrich Arzberger, dann nachdessen Rücktritt Realschulprofessor Josef Roller

stand.

Nach Auflösung des Direktoriums wirkte als Direktorseit:

1874 Hochschulprofessor Johann G. Schön,1883 Hochschulprofessor August Prokop,1894 Julius Leisching.