Ostereier. Aus den Dörfern um Knin und Verlika.
Geschenke der Frau Olga Ristović und Frau Marie Dračar. Kollektion Bruck- Auffenberg.
Hausrat.
Die geschnitzten Lehnstühle sind auch eines jener Objekte, von denen jede Gegend ihren Typ hat. Sind die Sesselvon Verlika- Kievo( Seite 5) in ihrem künstlerischen Zusammenfassen aller Hauptformen das Bedeutendste, so sind es dieSessel aus Sinj( Seite 12) hinsichtlich der einwandfreiesten Arbeitsvollendung, wozu noch ein sehr edles Ornament der durch-brochenen Lehne und schön geformte, bequeme Ausrundung des Sitzbrettes kommt. Dagegen gibt es aus Obbrovazzo, Krupa,Žegar und Ervenik Sessel, die wohl in ihren Proportionen und Gesamtwirkung minder effektreich, doch dafür mit denwechselvollsten und allerfeinsten Ritz- und Kerbschnitzereien geschmückt sind. Ein paar hervorragende Exemplare letztererArt besitzt Feldkurat P. Lukašek in Zara. An den Verlikaner Sesseln ist die ohne Drechselvorrichtung frei geschnittene Dreh-arbeit der Stuhlbeine und Lehnensäulen besonders merkwürdig und ungemein markig schön in dem Zusammentreffen dereinzelnen Schnittflächen; das Stück wird einfach zwischen den Beinen gehalten und gedreht, wie es die Ägypter bei ihrenDrehsäulen machen.
Überhaupt liebt man diese Dreibeinstühle in den guten Familien und kann sie nur des Holzmangels halber sehrschwer gemacht bekommen. Sie sind, samt den geschnitzten Truhen, ein Denkmal aus der Zeit des dalmatinischen Holzreich-tums, ohne den sich eine solche Kunstfertigkeit nicht hätte entwickeln können. Die Überreste des königlichen Hausrates,Thronsessel vielleicht der Form nach, das Mobiliar der Antike überhaupt, wenn man nach dem Säulentempelmuster der Truheauf Seite 64 Schlüsse ziehen will.
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Die Ornamentik dieser Truhen Rosensträuße oder Büsche im Topf, Tannen oder Zypressen und Vögel istslawisch- türkisch( Baumzauber) und weist auf die Bestimmung als Brauttruhe hin. Der Rosenstrauß bedeutet immer Hochzeit,die in den Topf gepflanzte Rose das ungepflückte, junge Mädchen, die Braut. Auch die junge Tanne( Jelica) ist das in vielenVolksliedern wiederkehrende Symbol der Mädchenschaft. Der Vogel ist in der slawischen Ornamentik in demselben Sinnewie die Tauben der Venus aufzufassen, oder als Botschaftsbringer; Baum und Vogel zusammen, das Bild des jungen Lebensund glücklicher Nachrichten aus dem neuen Hausstande. Der Tempel auf der zweiten Truhe bedeutet Fruchtbarkeitssegender Ehe.*)
Die geschnitzte Getreidemulde auf Tafel 56, die merkwürdigen Wiegentypen, von denen die auf Seite 24 auch eine mehr-tausendjährige Form ist: das dürften außerdem wohl noch die einzigen nationalen Betätigungen für Hauseinrichtung bleiben.Noch eine charakteristische Tischform ist da auf dem Lande gebräuchlich, deren zurückfliehendes Profil wie ein hohes Tempel-gesimse auf viereckigen Säulen steht; und endlich die Krone alles Dalmatiner Mobiliars: der Dreifußschemel aus naturgeformtenHolzwurzeln, den man um fünfzehn Kreuzer auf dem Markte bekommt. Ein Apparat, den man in der Tat nicht ohne Lachenansehen kann und auf dem der Dalmatiner gleichwohl leidenschaftlich gern sitzt. In Clissa bewahrt man ein solches un-glaubliches Vorweltsmöbel, auf dem Kaiser Franz Josef von seiner Bergtour auf die alte Felsenfeste mit dem unvergleichlichenPanorama ausgeruht hat. Wohl die geschichtliche Urform des Sessels überhaupt.
Kein Werkholz gibt es, keine Möbeltischler. Nicht einmal für Särge hat man auf den Dörfern Holz. Alle Möbelwerden von auswärts bezogen. Darum findet man in den urbanen Familien so außerordentlich interessantes Mobiliar, aus aller Weltherbeigebracht oder von ältester Herkunft, weil man eben Möbel so schwer bekommt und nicht leicht weggibt. Wenn irgendetwas, so sind Baukunst und bürgerliches Mobiliar in Dalmatien das Venezianische. Nur vermischt sich im Interieur das Schmuck-und Farbenbedürfnis des slawischen Dalmatiners, der keine leere Fläche sehen kann, und allerhand orientalischer Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischer Einschlag ineiner Weise mit dem Venezianischen, daß man wohl keinen Augenblick vergißt, wo man sich befindet. Der hübsche Wasch-tisch auf Seite 65 ist ein solches Beispiel: die rein venezianischen Formen des Gestells halten einen bosnischen„ Ibrik", die Kanneund Waschschüssel in graviertem, verzinntem Kupfer für die religiösen Waschungen der Moslims. Das Bedürfnis, jede Flächeauszufüllen, äußert sich im Interieur, sobald nur überhaupt einmal eine möblierte Wohnung vorhanden ist, in einer reinfanatischen Weise. Wände und Möbel sind mit Aufputz, Nippes und mühevollen Handarbeiten total bedeckt, bei ärmerenLeuten einfacher Stände in einer rührend sonderbaren Weise, jedes aufgelesene Reklamebildchen, jede Postkarte und buntesPapierstückchen originell benützend. Zu den einheimischen Teppichen für Boden, Wände und Fensterlambrequins, die für denFamiliengebrauch besonders grellbunt bestellt werden, kommen winzige Tischchen, die mit nationaler Weberei überzogenwerden, das ganze Gestell mit bunter Wolle und tausend Quästchen umwickelt, und nationale Holzsessel mit derselben etwasentstellenden Dekoration. Das Gros des Hausrates machen jetzt importierte Sachen schlechter Qualität aus, so wie man sie leider
*) Nach Mitteilungen von Frau Belović- Bernadzikowsky.
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