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Elend ins Ungeheuerliche gesteigert!
Die Webestühle selbst sind natürlichso antidiluvianisch als möglich, ihreDie Webereien der SerbokroatinnenAufstellung erstaunlich genug. Demsind manchmal so unklar und mitWebstuhl zu Liebe wird nämlich dievielerlei Mustern überladen, weil ameinzige fensterartige Öffnung in einesWebstuhl fast noch mehr Zaubereider hüttenartigen Einzelgelasse ge-getrieben wird, als bei der Stickarbeit,macht, aus denen das dörfliche Haus-was von dem viel früher entstandenenwesen besteht. Die Weberin sitzt voll-Ursprung der Webeverzierung stammt.kommen im Dunkeln und man siehtDieses hohen Alters wegen sind Webe-nur geisterhaft ihre arbeitende Hand,stühle und Webeschiffchen eine Artauf die ein magischer Lichtstrahl ausmit scheuer Hochachtung betrachtetedem Fensterchen fällt, der einenGeräte, und das Weben an sich einStreifen der Weberei beleuchtet, soan glückliche und unglückliche Tagedaß sie faktisch ihr ganzes Mustergeknüpfter Vorgang. Man reiht dannWebtnur im Kopfe haben muß.beim Weben jene Muster aneinander,sie keine Teppichschürzen unddie eine Kette von bestimmten Vor-Taschen, so fertigt sie den vortreff-gängen herbeizaubern sollen, ohnelichen hausgesponnenen„ Raša" an,Rücksicht auf ornamentale Wirkung,aus dem das dalmatinische Volk seinedie sich nur unwillkürlich dennochstattliche Kleidung macht, solid wieeinstellt. Die FarbenzusammenHomespun und Steirerloden; es iststellung und weit mehr noch die ganzgeradezu eine der volkswirtschaftlichhexenmäßige Zurichtung der Farbenallerwichtigsten Fragen, dem Dalma-hängen ebenso von den persönlichentiner seine Tracht lieb und wert zuBeziehungen und geheimen Wünschenerhalten und der Gegenagitationab. Blut und Asche von Fledermäusender Ramschkonfektionsfabrikenund jungen Katzen können ja beidie Spitze zu bieten; durch das Ein-der Färbung der Wolle möglicher-dringen dieser elenden Modefetzenweise als allmächtiger Liebeszauberfür Mann und Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib wird die wich-die unschätzbarsten Dienste tun; jeden-tigste, die oft einzig mögliche Ver-falls aber ist die mit solchen Liebes-wertung aller weiblichen Arbeitskräftekünsten bereitete Zauberwolle dasim Innenlande brachgelegt und außerherrlichste, künstlerischeste Arbeits-dem die so leichten Herzens began-material und alle diese Volkskunstgene Schuldenmacherei der Leute beimin der Tat unter die berühmte De-Krämer und damit das unrettbarefinition: Kunst ist Spiel und Liebes-werben" zu stellen. Die serbokroatischen Muster selbst gehören wohl zu den ältesten Dokumenten lebendiger Ornamentik,meist direkte Zauberbuchstaben. So kehrt der„ heilige Käfer" immer wieder und die verschiedenen Gattungen von Haken,die Glück, Liebe, Reichtum oder Strafe für Untreue„ herbeiziehen" sollen.
( G. W. Geßmann.)
Frau aus Gravosa.
Färbekunst.
Im engsten Kontakt mit der Teppichweberei steht die nationale Färbekunst. Man darf sagen: mit dieser steht undfällt sie. Es ist nötig, schon recht seitab vom Wege zu gehen, wenn man ein rein pflanzengefärbtes Stück von voller Harmoniekaufen will. Jetzt kaufen die Frauen sich die grüne und rote Wolle fertig in der Färberei, respektive lassen sich ihr Selbst-gesponnenes färben, Gelb, Blau und Schwarz färben sie im Hause. Doch nicht mehr so wie vordem: die schwarze Wolle wirdzwar ein paar Tage in den Düngerhaufen gegraben, nach altem Rezept, und farbige mit allerlei geheimen Zusätzen gewaschen,damit sie farbecht wird, die Farbe selbst jedoch wird nicht mehr aus Wurzeln, Pflanzen und Farbhölzern gekocht, sondernhübsch bequemerweise vom Krämer bezogen, der diese„ cartine", die Papierchen mit Farbpulver, als Kommissionär derAnilinwerke einzig und allein auf Lager hält und anempfiehlt. Das daheim gefärbte Gelb, Blau und Schwarz ist darum jetztauch weiter nichts als Anilin und Chrom. Die Frauen sehen die Unhaltbarkeit wohl selbst, doch haben sich ihre Augen schonso an die grelle künstliche Farbe gewöhnt, daß ihnen alles zu matt scheint. Dazu der Farbenhunger des Südländers an sich,so daß sie aus eigenem Antrieb sicher nicht mehr zur echten Hausfarbe zurückgreifen werden. Es sei denn fixen Bestellungenund strengsten Aufträgen zuliebe.
Die großen Teppichkünstler des Orients Glossar ::: zum Glossareintrag Orients pflegen die gefärbte Wolle auf den Wiesen in der Sonne zu bleichen, solange, bis sie den gewünschten milden Ton erhält. Bei den dalmatinischen Arbeiten müssen Sonne und Regen dies erst aufdem Leibe der Leute besorgen, denn sie wollen gerade durch die starken Farben zeigen, daß sie neue Kleider haben!- Mandenke ja nicht, daß dies vordem anders war, wenn schon die Pflanzenfarben an sich nicht schreien wie chemische Färbung.Aber die wunderbare Süßigkeit und Milde der Farbenstimmung in den alten Arbeiten ist auch nur ein Werk der Abnützung. DieAutorin erwarb ein paar nicht ausgefertigte, buntgestickte Hemdärmel, die seit 70 Jahren in Familienbesitz waren, als letztbegonnene Arbeit einer Urgroßmutter aufbewahrt, noch mit der alten hausgemachten Seide von Scardona gearbeitet. Die Farben
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