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Dalmatien und seine Volkskunst : Muster und Kunsttechniken aus altem Volks- u. Kirchengebrauch ; Spitzen, Stickarbeit, Teppichweberei, Schmuck, Trachten u. Gebrauchgegenstände der Dalmatiner
Entstehung
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heutigen Muster zeigend. Je älterdie Stickarbeiten, desto größerihre Vollendung. Das Hemd,fast den größten Teil des Jahresdas einzige Kleidungsstück derSüdslawinnen und ihre Urtracht,wurde erst durch die Kreuz-züge im übrigen Europa bekannt.( Das Mittelalter kannte keine Unter-wäsche.) Es war die Bekleidungder Fürsten und Reichen so gutals der Übrigen, und darum, undbei der absoluten Wertlosigkeit desZeitverbrauches, konnten solchePrachtstücke entstehen und demVolke verbleiben. Der am Hemdehaftende Aber- und Zauberglaubeveranlaßt gleichfalls das Aufbewahren und Nachbilden alter Über-reste, anderseits aber auch das Verbrennen jener Hemden, an denenman Unheil oder Feindseligkeit an-haftend glaubt; auch wird mit ver-brannten Hemden viel Zaubereigetrieben.

Der Hauptgrund desheutigen Seltenwerdens der schönenArbeiten ist aber natürlich derMangel an guter, hausgewebterLeinwand, die durch einen jetztüberall verbreiteten, abscheulichenBaumwollstoff ersetzt wird, und derMangel an eigener Seide. Jede ernst-

Alte Tracht von Vrgorac.

Frau Bernadzikovsky übersetzt aus einem alten herzegowinischen Kololied:

Welch herrlich Hemd umschmeichelt ihren Leib!

hafte Aktion zur Erhaltung dieserVolkskunst müßte zuerst mit derZuführung guten hausgemachtenBauernleinens in die Kauflädensämtlicher Stickereidistrikte ein-setzen und mit der Wiedereinfüh-rung der häuslichen Seidenarbeitund Färberei für Stickereizwecke;ferner müßten die alten Musterin den Gemeinden aufbewahrtund in den Dorfschulen zumZwecke gewissenhaftester Kopienausgelegt werden. Es dürfte nie-mals auf Dutzendwaren mit möglichst niedrigen Preisen, sondernstets auf auserlesene, feinste Quali-täten mit steter Steigerung der Lei-stungskraft im Sinne der Wieder-veredlung hingearbeitet werden.Die Regeneration der Spitzenarbeitvon Pago ist in derartiger Weisevollzogen worden, und sie kannwirklich eine ideale Aktion imSinne der Erhaltung und Vered-lung des Vorhandenen genanntwerden. Die gestickten Hemdenwerden fast immer blusenartigkurz gemacht. Beim Gebrauch wirddann der rockartig lange Unterteilangenäht, aus Sparsamkeitsrück-sichten, um den schön gesticktenOberteil nicht so oft dem Waschenauszusetzen.

Aus Spitzenarbeit ganz und weißer Seide.

Am Hemde reihen sich die goldnen Knöpfe,

Auch rundherum gestickte Nadelspitzen

Vergeblich suchst Du nach der Spur von Nähten.( Durchbruchverbindungen, Tafel 12.)

Noch viele andere Lieder werden von ihr angeführt, die von gestickten Hemden handeln; es soll deren unzählige geben.

Ein seidengesticktes Hemde an den Leib sie legte,Daran des Goldes mehr denn weißen Leinens;Ein Blümlein hat sie eingestickt ins HemdAllein im Wert einhundert Golddukaten.

( Aus Jukić narodni pjesme.)

Mit gezählten Fäden und sichtbarem Leinengrunde wird im ganzen Hinterlande von Zara bis Sebenico undden Zaratiner Inseln gestickt. In verschiedenen Stickweisen und vermischten Techniken. Gobelin, Flecht- und Zopfstiche,Flachstich, farbige Durchbrüche, Holbeintechnik( in Obbrovazzo besonders schön). Für die norddalmatinischen Kopftücher meistdoppelt genähten Kreuzstich, für die farbiggrundige Randbordüre Holbeinstiche und feinen Kreuzstich; alle alten wertvollenArbeiten mit Seide und Schafwolle gearbeitet, das heutige aus Mangel an Seide durch schlechtes Material entwertet, in ordinäremGarn, gefälschter Seide, sogar Berliner Wolle. An der Stickkunst fehlt es keineswegs. Die Schafwollstickereien( Tafel 7, 19, 12, 40)sind das einzige, was auf der alten Höhe geblieben ist, weil die Eigenart der Technik jedes gekaufte Material ausschließt; dochhaben auch hier die alles zugrunde richtenden Ramschfabriksreisenden an Stelle des alten handgewebten Leinengrundeseinen scheußlichen, billigen Baumwollkanevas eingeführt, überall, aber buchstäblich überall in jedem Dorfkramladen; einStoff, auf dem es sich viel bequemer sticken mag, der aber auch die schönste Arbeit entwertet. Dazu kommt das Vernichtungswerkder Anilinfarben, die den Frauen jetzt für ihre häusliche Färberei von den Kaufleuten aufgedrängt werden. Zum Glück wissendie guten Stickerinnen schon, daß ihre Pflanzenfarben zuverlässiger sind.

Man hält diese Kniner Stickereien gewöhnlich für Schwarz mit nur ein wenig Rot dazwischen. Je öfter indes dieSachen gewaschen und je länger sie getragen werden, desto deutlicher und harmonischer treten ihre vielen schönen, satten Farbenhervor, so daß oft die Fetzen und Lumpen der Armen den Sammler am allermeisten reizen. Um Knin herum sind folgende

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