Arbe und das norddalmatinische Festland.
Der nördliche Vorposten dalmatinischer Volkskunst, zeigt Arbe verschiedene merkwürdige Typen, von denen denBewohnern der Insel nichts zum Bewußtsein gelangt war. Die Verfasserin erhielt auf alle Anfragen daselbst wiederholt die Ver-sicherung, es sei nichts vorhanden, während aus den Nonnenklöstern alle Fingerzeige auf Arbe wiesen.
Als größte Überraschung fand sich vor allem im Volke, an den schönen, schneeweißen Hemden der Bäuerinnenund Dienstmädchen eine Art breiter Spitzenmuster in feinem Wirkstich auf ausgezogenen Fäden gearbeitet, welche eine derältesten Stickweisen des Menschengeschlechtes repräsentiert: die ganz genauen Pendants zu der auf Tafel 50 dargestellten Arbeitfinden sich in den ägyptischen Gräbern.- Es war dies einer der stärksten Beweise für die überall auftretende Tatsache, daßdie einheimischen Arbeiten von den Mitbewohnern nie anders betrachtet werden, als etwa wildwachsendes Unkraut. Diejungen Damen von Arbe sind, in der unendlichen Stille ihrer Stadt auf solchen Zeitvertreib angewiesen, gute Hand-arbeitskünstlerinnen, besonders im Häkeln von Spitzen, Point lace und moderner Stickarbeit. Nichtsdestoweniger warnicht eine von ihnen auf den Gedanken gekommen, daß ihre Dienstmädchen viel merkwürdigere und wertvollere Arbeitenmachen. Die Wirkstichbesätze von Arbe werden sehr oft mit Rot oder Blau untermischt gearbeitet, auch mit Weiß- Rot-Blau zugleich. Zu diesen gestickten Bruststreifen, die immer in den alten quadratischen, sogenannten Torchonmustern gearbeitetwerden, mit vieler Abwechslung, kommt dann noch eine Stickereiverzierung der dicht eingekrausten Hals- und Achsel-falten, in den Farben der Handstickerei, so daß dieses Ganze äußerst komplett und zierlich aussieht. Ein nett angekrausterAnsatz von Häkelspitzen( was auf früheren Volksgebrauch von Klöppelspitzen hinweist) vervollständigt das hübsche Objekt.Leider war es unmöglich, ein ganzes Exemplar aus Arbe für dieses Buch geschickt zu bekommen; doch hat das Hemdvon Capocesta, Tafel 31, viel Verwandtes in Schnitt und Anbringung der Besätze, auch in verschmälerter Form ein wenig vonder Reihfaltenverzierung am Halse. In Punta Loni, das an der Nordspitze Pagos nur durch eine schmale Durchfahrt vonArbe getrennt liegt, bestehteine Art Übergangsform inder schon besprochenen Hemd-stickerei ,,, micani", bei der dieGrundfäden quadriert ausgezogen werden.
dert Jahre älteres Pendant zuTafel 22, dem Prachthemd vonTrau; weniger schön gearbeitetund erhalten, etwa aus demJahre 1515. In Sta. Eofemiafanden sich noch außer verschiedenen, sehr alten Reti-cella und Klöppelspitzen zweilange handtuchartige Schärpenin der„, potriče" genannten, inganz Dalmatien gefundenenRäderdurchbruchtechnik,nichts hervorragendes, dasmerkwürdige daran jedoch deretwas spröde Grundstoff, derauch auf ein paar ganz altenKopftüchern von Pago zu fin-den war: jeder Wahrscheinlichkeit nach eines jener Ge-webe aus Stachelginster,die bisher als einzige Volks-arbeitspezialität von Arbe ge-nannt wurden und aus denen man sonst Segel, Säcke und Plachen in hübschen Zwilchstreifen auf Handwebestühlen macht.Doch sagt man, daß es bei den Bauern auch feingewebte Hemden und sonstige Wäsche aus schleierartigem, stark gelblichem,Ginsterleinen gibt, das durch Jahrhunderte unzerstörbar ist. Leider war davon kein Stück aufzutreiben. Selbst nicht mit Hilfeder Obrigkeit.
In dem Franziskanerkloster Sta. Eofemia, daswegen seiner herrlichen Lageberühmt ist, fand sich verschiedenes Unentdeckte, das demjungen Guardian sowohl alsder mitgekommenen, sehr ge-schickten Handarbeitslehrerinvon Arbe zur freudigsten Über-raschung gereichte. Vor allemeine jener riesig langen Alben,die nur zu Ostern und Weih-nachten angelegt werden unddaher ein so wohlkonservierteshohes Alter erreichen, ein vollständiges und noch etwa hun-
Wiege aus Arbe, farbig bemalt.
Kollektion Leo von Littrow.
In Pago gibt es außer der picotbesetzten Reticella, den schönen Klöppelansätzen und der„ micani" genannten Gitter-stickerei noch eine Art wunderschönen Point coupé( Tafel 28 und 29), durch höchst charakteristische Reliefs aus nebeneinander gesetzten,, Knofplochriegerln" bereichert( venezianisch:„ Punto ricci"). Tafel 28 stellt ein sehr antikes, aber unberührt konserviertes Hemd dieserArt vor, dessen gelblicher, eigentümlich hübscher und fester Stoff aller Wahrscheinlichkeit nach wohl Stachelginsterleinen seindürfte.- Diese Technik springt bei Novigrad plötzlich auf das Festland über, um sich in Obbrovazzo in den mit farbigerSeide ausgeführten Point coupé des Kopftuches von Tafel 34 umzuwandeln, der ziemlich große Reticellamotive in sich schließt.- Dort springt die Durchbruchverzierung von den Frauenhemden, die in der ganzen Morlakei nur mehr bunt gestickt werden,auf die Männerhemden über. In Obbrovazzo selbst sind diese merkwürdig und hübsch mit Durchbruchstreifen und zwischengesetztenganz feinen Kreuzstichstickereien geschmückt, an sehr hohen Stehkragen, Schulteransätzen, Brust, Ärmelstreifen und Bordüren. Imganzen übrigen morlakischen Hinterlande bis Knin sind dann auf Männerkragen und auf Männerhemdkragen und Manschetten diemannigfachsten, wahrhaft reizvollen Stickarbeiten in Weiß ausgeführt, alle möglichen, ganz unbekannten Piquestiche mitfeinen Durchbrüchen und Streulöchern. Nach Mitteilung von Assentärzten sollen sich die schönsten gestickten weißenMännerhemden von äußerst feiner Arbeit in Poljica und Nona hinter Zara befinden, desgleichen in Murvjca, Polesvik,Castelvenier. Eines Spezialstudiums würdig, gehen diese Muster in Verlika in die altägyptische Wirktechnik mit Goldfädenuntermischt über, Tafel 52, und in die ältesten Stickmuster von Muć, von denen speziell die Rede ist. In den vormals blühenden
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