der Dalmatiner, ihr Abwarten, daß alles von außenher geschehen soll. Die Volksseele Dalmatiens, träumendes Künstlerschaffen,l'art pour l'art!
Die Volkskunst der Dalmatiner ist also nur bei den Slawen; das aber, was sie über alle übrige Volkskunst erhebt,das Architektonisch- Dekorative, das frei Künstlerische, das eminent Zeichnenkönnen von Haus aus, das ist wohl ihr italienischesElement. Schulung des Auges durch römische und venezianische Bauten. Und versprengte Tropfen lateinischen Blutes.Italienischer Einfluß durch die Kirche, ins-besondere auf die höheren Entwicklungs-stufen der Spitzenkunst.
Der unermüdliche, künstleri-sche Schaffensdrang lag vormals nicht soausschließlich in der nur bäuerlichen Slawen-bevölkerung, wie dies heute allerdings derFall ist. Auf Tafel 32 befindet sich einesder heute höchst selten gewordenen Wäsche-stücke mit handgearbeiteten echten Spitzenaus Familienbesitz; in allen besserenHäusern befanden sich, in Rumpelkam-mern und Dachböden, ganze Ballen alterSpitzenwäsche, schadhaft und außer Modegekommen, die von den Spitzenhändlerngegen Stücke neuer Leinwand in Umtauschgenommen wurden. Jede Hausfrau empfahlden anderen dieses vorteilhafte Geschäftund so kamen buchstäblich alle in denFamilien gemachten Spitzen außer Landes.Nur in seltenen Fällen von Pietät erhielten sich einzelne Stücke. So das vorliegende, sehr schöne Wiegenkissen, Eigen-tum der Frau Oberlandesgerichtsrat Visićin Zara. Der Besitzerin frühverstorbeneMutter, Frau Ekaterina Bošković, geborene Jović, eine Dame aus guter Familieund von großer Schönheit, hatte in Gegen-wart ihrer kleinen Mädchen das Stück eigen-händig Stich für Stich gearbeitet, dieTöchter erinnern sich genau der mühe-vollen Ausführung. Ähnlich besitzt Frauvon Bogdan- Bielić eine äußerst feineangefangene Spitzenarbeit ihrer Großmutter,noch auf dem Arbeitskissen mit Nadelnausgesteckt, und besaß der verstorbene
Gemeiner Hausrat: Holzlöffel aus Zelovo,Messer aus Knin.
Kollektion Bruck- Auffenberg.
Domherr Franz Kasandrić in Lesina einenvom Klöppelkissen genommenen, abge-schnittenen Spitzenrest einer sehr feinenReseauspitze mit etwa 250 herabhängendenEndfäden, als letzte Arbeit seiner Mutter,von deren Hand er einen ganzen Schatzherrlichster Meẞkleidspitzen hatte, echtePoints de Raguse mit feingeklöppeltemTüllfond. Alle diese Arbeiten zeugen vongrößter Kunstgewandtheit, beweisend, wienoch die eben vorhergegangene Frauen-generation die Nadel- und Klöppelspitzein den Mustern von 1670 als häusliche Bedarfsarbeit und so gewohnheitsmäßig aus-übte, wie heute jede dalmatinische Städterines mit der Häkelspitze tut. Fräulein Katićin Ragusa, die im Wiener Zentralkurs zurFachlehrerin für Klöppelspitzen ausgebildet wurde, erinnert sich, daß sie als Kindmit Klöppelwerkzeugen, die sich auf demDachboden fanden, gespielt hatte; ebensodie Kinder in den anderen Häusern. Daswird dort allgemein im Lande erzählt: dieKinder hatten die Klöppel zum Spielenfortgetragen und zerbrochen, als sich dieFrauen für die neue, bequeme, außerhalbdes Hauses zu machende Häkelspitze zuinteressieren begannen. Es muß ein sehrallgemein beliebtes Spiel gewesen sein,denn die gebrechlichen Holzdinger wurdenvon der überlebhaften südlichen Jugendso gründlich vertilgt, daß damit alle Klöppel-spitzen in Dalmatien ihr Ende hatten undsich die Werkzeuge nur mehr in denKlöstern finden, wo es keine schlimmenPutti gab.
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