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Dalmatien und seine Volkskunst : Muster und Kunsttechniken aus altem Volks- u. Kirchengebrauch ; Spitzen, Stickarbeit, Teppichweberei, Schmuck, Trachten u. Gebrauchgegenstände der Dalmatiner
Entstehung
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summiert, immer wieder mit demausbeuterischen Zuge unserer Zeit,der aus den Volkskünstlern nur ge-schickte, billige Heimarbeiter fürFabriksware zu machen trachtet undnur in Massenproduktionen eine,, Hebung" der Volkskunst erblickt.Jetzt hat die Dalmatiner Landes-regierung selbst zu intervenieren begonnen, und sie wird zweifellos aufdem Wege der neuerrichteten Kunst-gewerbeschulen das Richtige treffen.Auch die von der Landesregierunggeförderte Liga für Fremdenverkehrhat vortreffliches bewiesen in derZusammenstellung der Volkskunst-gegenstände für die Jagdausstellung1910, der dieses Buch manches außerordentliche Stück verdankt. HerrW. Geßmann hat diese Ausstellungzusammengefunden; sie erschien inihrem engen Rahmen als das strahlend-ste Juwel österreichischer Volkskunst.Im Augenblicke des Ab-schlusses der Druckarbeiten kann hier

( N. Bruck- Auffenberg.)

Vom Kirchenfest im Kloster Krka( Hemd, gestickteGürtel, Teppichschürzen).

noch eine glückliche Wendung nach-getragen werden: Der dalmatinischeHausindustrieverein ist durch eineglückliche Transaktion mit dem neu-geschaffenen Verbande österreichischerHausindustrien in eine so günstigeLage gekommen, daß er nunmehrauch an die übrigen Volkskunst-gebiete wird fördernd herantretenkönnen, während er sich bisher vor-zugsweise auf die Spitzenindustrie be-schränken mußte. Dies vorausgesetzt,wenn ihm die nötige moralische Mit-hilfe im Lande selbst zuteil wird.Der Verein weist in seinem Rechen-schaftsberichte nach, daß er seit seinerGründung 1905 bis August 1910zirka 72.000 Kronen an Arbeitslöhnenin Dalmatien ausbezahlt hat.

Die nach dem Tode desGrafen Johann Harrach verwaisteStelle des Präsidenten hat am 4. April1911 Fürst Hugo Verian Windisch-grätz übernommen.

I. Die Träger der Volkskunst.

Lange bevor das kleine Mädchen zur Schule muß, hat sie die Mutter gelehrt, die Nadel zu führen und ganz einfacheMuster ohne Vorzeichnung zu sticken. Nicht etwa an einem Musterstreifen, sondern das Kind muß sich sofort seinen eigenenBedarf arbeiten und so fort bis zur Meisterschaft, gleich die eigene Brautausstattung vorbereitend. So kommt es, daß alle stickenkönnen. Nur verehelichen sich die Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber früh, haben meist zahlreiche Kinder und der Mann bürdet ihnen alle Arbeit auf.So wird es nötig, daß sich in jedem Orte ein paar Frauen finden, die für die anderen sticken. Das sind dann manchmal hervorragend begabte Mädchen, die den Ehrgeiz haben, für die Geschicktesten zu gelten und die sich damit eine Mitgift schaffen.Aber auch diese hören als Frauen auf, zu sticken, setzen einen Stolz darein, den Mann sorgen zu lassen. Wird die FrauWitwe, dann sucht sie ihre alten Künste heraus, um zu verdienen. Wenn sie Töchter hat, kann sie sich damit eine rechtgute Existenz schaffen; die Häuser, in denen solche Hausarbeiten bestehen, zeichnen sich meist durch Reinlichkeit und gutenStand vor denen anderer armer Leute aus. Die schönsten Dinge freilich gedeihen dort, wo für das eigene Haus gestickt wird,für die Ausstattung, den Sonntagsstaat, für den Herzliebsten, den Mann oder Sohn. In diesem Milieu kommen die Meister-werke zur Welt. Fährt man durch das Landesinnere, so kann man da und dort die jungen Hirtinnen sehen, ein StückchenLeinwand oder buntes Tuch in der Hand, eifrig hineinnähend. Oder Gruppen stickender Mädchen und junger Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber vorden Häusern, Sonntags um die Kirche herum. Sie vertreiben sich die Zeit herrlich mit ihren Handarbeiten, bewundernd, vergleichend, wetteifernd, beneidend und beneidet, ein unerschöpflicher Gesprächsstoff für die courschneidenden Burschen, denn esleiten gar geheimnisreiche Fäden zwischen die Arbeit hinein, die diesen scheuen Herzen Schreibekunst und Blumensprache ersetzendenn hundert zarte und leidenschaftliche Deutungen liegen in den Stickereien des Volkes, vor denen der Landmann Ehrfurcht, ja selbst Furcht hat, nicht bloß Wohlgefallen an Schmuck und Kunstfertigkeit. Diese Leute unter sich wissen, welchalter, ureigenster Besitz der Ihrigen das ist. Ob es sich nun um Spitzenarbeit handelt, um Seiden- oder Goldstickerei, Teppich-weberei und feine Weißstickereien: Es sind immer dieselben Verhältnisse im Volke. Es gibt nur eine Kunst, bloß ihre Aus-drucksweisen wechseln."

Ein paar höchst bezeichnende Beispiele für die Volkskunstverhältnisse seien hier gestattet. Auf einer Entdeckungs-fahrt seitab, nach den Holzschnitzereien von Petrova Črkva auf fast unfahrbarem Feldwege zwischen Kistanje und Ervenik,machte unser Kutscher an einer fensterlosen Steinhütte Halt und rief den Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibern zu, sie sollten ihre Arbeiten vorweisen.Diese brachten sogleich einige der schönsten Stücke herbei, die es überhaupt gibt, darunter die auf Tafel 47, 48 und Farb-tafel 12 abgebildeten Strümpfe und Torben, beschlagene Lederarbeiten, herrliche Webereien von so schöner Farbenzusammen-stellung, wie sonst nirgends, alles im Hause pflanzengefärbt, ein reizendes Blau als Grundton. Als wir ein paar Stückeerwarben, strömten wie durch Feueralarm gerufen etwa dreißig Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber und viele Männer zusammen. Alle brachten fast gleich-wertig schöne Sachen. Nur ein hübsches Mädchen war die hervorragend Geschickteste, und sie war daher eine gefeierte Künstlerin, Todora Mazura. Dann stellte es sich heraus, daß alle Arbeiterinnen Mazura hießen, jeder Mensch im Dorfe, das Dorf selbst

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