Sie hat vor allem Gefäße,große Teppiche, Musikinstrumente, Möbel und ähnlichesgesucht.
Herr Feldkurat P. Jo-sef Lukašek in Zaradürfte heute die bedeutendsteSammlung von Stickereienund Webereien besitzen, dieer im Laufe vieler Jahre aufFußwanderungen von Dorfzu Dorf erworben und aufdiese Weise nicht nur alleUrsprungsorte genauestensfestgestellt, sondern in un-mittelbarem Kontakt mit derBevölkerung die ihm alsPriester größtes Vertrauenschenkt auch die seelischeSprache des Ornamentes,seinen tiefen Sinn für be-
G.
( N. Bruck- Auffenberg.)
Prozession in Verlika.
stimmte Lebensabschnitte undEreignisse erforscht und er-lernt hat, so daß er imstandeist, die Bedeutung einerStickerei so wie eine Hiero-glyphenschrift oder Blumen-sprache abzulesen; also volks-wissenschaftlich eine ganzeminente Sache.
P. Lukašek hat dasInteresse der Gemahlin desdamaligen Landeskomman-dierenden, Exz. von Varešanin, für diese Dinge er-weckt, die dann eine Samm-lung von auserlesen seltenenund eigenartigen Exemplarenanlegte, welche aber leiderin der Öffentlichkeit bishernie gezeigt wurden.
Weit früher als alle
anderen hatte Frau Baronin Maroičić in Zara den Grund zu ihrer heutigen Sammlung gelegt, ganz nuraus wider-standslosem Wohlgefallen an den schönen alten Kostümstücken, die sie auf dem Markte von den Bauern aneinanderverhandeln sah, zu einer Zeit, da diese Sachen in Zara noch für etwas sehr Komisches galten; Baronin Maroičićwar auch die Erste, die von ihren Sammelobjekten geistreiche Anwendungen für Mobiliar- und Dekorationszwecke zumachen verstand.
Gleichfalls aus dem reichhaltigen Terrain des Hinterlandes von Zara entstand die sehr große und durch exquisiteStücke ausgezeichnete Kollektion des k. k. Bezirkshauptmannes Harry von Pausinger, die beispielsweise fast ein halbesHundert der prächtigen buntgestickten Kopftücher umschloß. Herr von Pausinger studierte das Ornament zu künstlerischenZwecken, indem er eine Kollektion der reichhaltigen Motive für die Reproduktion umgezeichnet und mit ihnen sehrgeschmackvolle kunstgewerbliche Objekte dekoriert hat. Man sieht, jeder Sammler ist von einem anderen Gesichtspunkte, eineranderen Liebhaberei ausgegangen.
Eine große Wichtigkeit gewinnende Kollektion hat die Autorin aus kleinen Anfängen heraus bei Frau MariaDračar in Sebenico entstehen sehen. Aus Knin, einem Hauptsitz der Stick- und Webekunst, gebürtig und mit diesen Technikenvon Kindheit vertraut, war Frau Dračar in ihrer Mädchenzeit als Volksschullehrerin Meisterin in allen Handarbeitskünstengeworden, während ihr heute ihre Mittel gestatten, viele Hände armer Landfrauen zum Zwecke ihrer Sammlungen zu be-schäftigen. Sie kennt überall die besten Arbeiterinnen und läßt von diesen Musterkollektionen in allen möglichen seltenen,bisher fast gar nicht bekannt gewordenen Techniken arbeiten. Sie selbst ist dabei bemüht, hübsche, leicht verkäufliche An-wendungen zu finden und die Arbeiterinnen zur Verarbeitung besseren Materiales, beliebig bestellter Formate und Muster etc.anzuleiten, was ungeheuere Schwierigkeiten bietet. Das Wichtigste sind ihre Studien in der nationalen Teppichweberei, indemsie die herrlichen Motive, die aber heutzutage durch ungeschickte Anordnung und brutale Farbengebung( zufolge der An-wendung von Anilin) entstellt werden, aus ihrer jetzigen, abstoßend dekadenten Umgebung herauslöst und sie überaus glücklichund harmonisch aneinanderreiht. Es ist dies eine künstlerische Tat aus der Kraft des Volkes heraus und darum wichtiger alsjede von außen hineingetragene Regeneration.
Die größte und bestzusammengestellte Kollektion nationaler Teppiche dürfte Frau Großgrundbesitzerin Miović inDernis besitzen. Frau Hafenkapitän von Mirosević in Ragusa hat alte Dalmatiner Spitzen gesammelt, von denen ein paarbesonders seltene Stücke in diesem Werke erscheinen. Frau Lina von Bogdan, geb. Bijelić, besaß eine sehr gute Sammlungseltener süddalmatinischer Arbeiten und Altcanaleser Spitzen, die sie vor Jahren zur Ausstellung nach Paris geschickt hatte.Sie war die erste Dalmatinerin, die im Jahre 1903 in den Wiener Zentralspitzenkurs entsendet wurde, und sie hat als ersteSpitzenlehrerin im Lande gewirkt, bei einem leider nur ganz vorübergehenden Versuch, in Ragusa einen Häkelspitzenkurszu errichten, der an den dortigen Verhältnissen gescheitert ist.
Die Sammelfreude an nationaler Kunst hat viel Ansteckendes, und jetzt hört man schon da und dort von neu-entstehenden Sammlungen. So hat Frau Bezirkskommissär Dr. von Durée in Sinj ein charmant und fesch eingerichtetesZimmer aus allen möglichen nationalen Objekten arrangiert, dessen elegante Wohnlichkeit die Dalmatiner besser als allesandere von dem Reiz und dem Wert ihres Nationalbesitzes überzeugt. So etwas erscheint besonders wichtig, denn die ein-schneidendste Förderung der Volkskunst muß immer aus den wohlhabenden, geschmacksgebildeten und kunstverständigenKreisen des eigenen Landes hervorgehen. Das Ausland wird sonst stets nur vorübergehendes Interesse nehmen.
Erstaunliche Wirkung hat eine Ausstellung großer Einkäufe von norddalmatinischen Volkskunstgegenständengemacht, die von der Schreiberin dieses Buches kürzlich in dem sehr ländlichen Verlika ganz improvisiert gemacht wordenwar. Die ganze Bevölkerung konnte sich vor Verwunderung über den eigenen Reichtum nicht fassen, den sie da zum erstenMale gewürdigt und zu ruhiger Betrachtung und dekorativer Wirkung aneinandergereiht fand. Es ist dies ein Beweis dafür,wie notwendig dem Volke die Gründung eines dalmatinischen Museums für die nationale Volkskunst ist.
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