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Dalmatien und seine Volkskunst : Muster und Kunsttechniken aus altem Volks- u. Kirchengebrauch ; Spitzen, Stickarbeit, Teppichweberei, Schmuck, Trachten u. Gebrauchgegenstände der Dalmatiner
Entstehung
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( N. Bruck- Auffenberg.)

Frau und Mädchen aus der Umgegend von Verlika, aufdem Wege zur Kirche Stickarbeit machend.

Die Schicksale der Volkskunst in

Dalmatien.

was das

Seitdem in weiteren Kreisen der Gebildeten die Liebhabereifür Gegenstände alter und exotischer Glossar ::: zum Glossareintrag  exotischer Kunst begonnen hat, seit dreißigbis vierzig Jahren, wurde mit den großartigen Schätzen der dalmatinischenVolkskunst, mit Spitzen, Stickereien und Schmucksachen der Bevölkerungsowie mit alten Spitzen, Geweben und Gefäßen aus Kirchenbesitz derbösartigste Raubbau betrieben. Agenten aus Italien, Konstantinopel, Triest,Fiume durchzogen fortwährend das Land nach Beute undSchlimme dabei war verkauften die schönen Dinge meistens unterfalschem Namen, denn Dalmatien hatte damals noch keinerlei Reise-interesse. Es war für die Händler lukrativer, ihre Bezugsquellen geheimzu halten und die Preise zu drücken, indem sie jedermann im Landevon der lächerlichen Wertlosigkeit jener Dinge zu überzeugen trachteten.Dies ist ihnen auch so vollständig gelungen, daß an der Küste und aufden Inseln, die am meisten ausgebeutet worden sind, das Nationalkostümdie Quelle aller dortigen Volkskunst, als etwas nahezu Herabwürdigendesverlacht wird und zum größten Teil abgelegt wurde. Dadurch gelangtendie Händler, die gewöhnlich gleichzeitig Agenten für Bekleidungswarenschlechtester Qualität waren, in den Besitz der billigsten, wertvollstenTauschobjekte für ihren elenden Ramsch, mit dem heute das ganze Landbis in das Innere der ländlichen Haushaltungen hinein überschwemmtist und der diesen von der Welt abgeschlossenen Menschen immerhinimponiert; und so gelten die alten nationalen Gegenstände im Volke alsetwas, das nur des Lachens wert ist.

Durch einen Zufall auf die hohe kunsthistorische Bedeutungder alten dalmatinischen Spitzen- des Point de Raguse" und ihreabsolute Unbekanntheit im eigenen Lande aufmerksam geworden, fand die Verfasserin vor zehn Jahren die Verhältnisseder dalmatinischen Volkskunst auf dem oben geschilderten Standpunkte, der teilweise noch heute gilt. Nur zwei oder dreiLehrerinnen hatten damals kleine Sammlungen aus ihren Distrikten gemacht, während eine der heute wichtigsten Kollektionennach und nach zu entstehen begann, ohne daß es ihre Besitzerin, BaroninStephanie von Rubido- Szichy in Abbazia, notwendig gehabt hätte,auch nur den Fuß nach Dalmatien zu setzen, denn das ganze grandioseMaterial wurde ihr durch Fiumaner Händlerinnen zugetragen, ihr undden fremden Kurgästen, die jene unschätzbaren Dinge achtlos und un-widerbringlich in alle Welt forttrugen, durch wenigstens schon zwanzigJahre, während gleichzeitig auch auf dem Stradone in Ragusa ein Anti-quitätenladen neben dem anderen entstand, den einlangenden Fremden,namentlich Engländern und Amerikanern, ganze Ladungen volkstümlicher Kunstarbeiten verhandelnd. Diese Ragusaner Händler klagten schonvor zehn Jahren über das Seltenerwerden der guten Stücke und der altenMuster, über die Dekadenz in Stickmaterial und Stickarbeit, und siesprachen einstimmig die Ansicht aus, wenn sich die Verhältnisse nichtänderten, werde in ein paar Jahren im ganzen Lande kein altes Muster-stück mehr aufzutreiben sein. Von Spitzen wußte man im Jahre 1900überhaupt dort nichts und leugnete steif und fest, daß in Dalmatienjemals Spitzen existiert hätten.

Die gegenteilige wissenschaftliche Überzeugung und das Ver-langen, an Ort und Stelle die Existenz und Art des nachgerade in dasGebiet der Sage verwiesenen Point de Raguse" festzustellen, hatten dieAutorin damals zum ersten Male ins Land geführt und mit der in somerkwürdigen Verhältnissen liegenden Volkskunst bekannt gemacht.Durch eine seltsame Verkettung glücklicher Zufälle gelang ihr damalsdie Auffindung des gänzlich unbekannten, herrlichen Spitzenhemdes imKloster Dritti bei Trau das noch heute von keinem anderen Stücke inDalmatien übertroffen worden ist.

Damals lag das Interesse für die Volkskunst und ihre Förderungin Bosnien, Ungarn, Galizien, Böhmen und den Alpenländern schonlängst in besten Händen, während man in Dalmatien und selbst imWiener Kulturzentrum von der dortigen Volkskunst nichts wußte, nichts

( N. Bruck- Auffenberg.)

In den Markthallen von Cattaro. BocchesischeFrauentracht.

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