Druckschrift 
Die Bauernmöbel von Harta : Erläuterungen zur Möbelstube der Ungarn-Deutschen in der Sammlung des Ethnographischen Museums Schloss Kittsee
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

Sorgen verursachte die Einrichtung auch bei Familien, die meh-rere Wohnzimmer einzurichten wünschten. Verständlicherweisedürfte sich die Beschaffung der Möbel für die gute Stube beson-ders in die Länge gezogen haben. Nicht selten gab es auch Not-lösungen. So war dies auch bei dem hauptsächlich als Schiffs-heizer tätigen Heinrich Marko der Fall, dessen gute Stube im Zu-stand von 1964 in diesem Heft als Beispiel abgebildet ist( Abb.10-15). Seine 1899 geborene Gattin Maria Hedrich bekam 1911ein gebrauchtes Bett für das Wohnzimmer und 1912 den für diegute Stube vorgesehenen Halbschrank( Abb. 12) als Mitgift. DerKleiderschrank für die gute Stube wurde zusammen mit demihm gegenüber neben der Türe aufzustellenden Bett( Abb. 10)sieben Jahre nach der Eheschließung( 1919), 1926, angefertigt.Die Eckbank und den Tisch( Abb. 11), ebenso wie das Bett zwi-schen Halbschrank und Kleiderschrank und die davorzustellen-den Stühle( Abb. 12) kauften sie Jahre später bei Versteigerun-gen.

In Kenntnis dieser Tatsachen werden uns die Jahreszahlen ver-ständlicher, die man auf der nach Kittsee gelangten Zimmerein-richtung lesen kann. Diese Mitteilungen sind schon deshalb we-sentlich, weil dieses Möbelensemble, das zur Einrichtung einerguten Stube diente, ebenfalls aus zweiter Hand, ohne Kenntnis-se über die ursprünglichen Eigentümer in den Besitz des Mu-seums gelangte, während die ergänzenden Gegenstände in ihrerMehrheit nachträglich durch Feldforschungen gesammelt wur-den. Nach den auf den Forschungsreisen in Harta besichtigtenZimmereinrichtungen zu schließen, können die früheren Besit-zer als einigermaßen wohlhabend bezeichnet werden, wennauch bei ihnen die Beschaffung der Möbel jahrelanges Sparenvoraussetzte. Zeugnis über das Besitzerehepaar legt das an derWand hängende Gedenkblatt der Eheschließung ab, ein unent-behrliches Stück der älteren Wohnungen von Harta( Abb. 6). Da-nach ehelichte der 1886 geborene Johann Schmehl im Jahre1913 die 1895 geborene Katharina Wolf. Die Braut erhielt ihr Bett1907( Abb. 3), also den örtlichen Erwartungen entsprechend inihrem zwölften Lebensjahr. Das Bett war jedoch zur Zeit der Er-werbung unbeschriftet, demnach dürfte es sich um einen Markt-einkauf gehandelt haben. Die Namen des Ehepaares ließ man1913, also im Hochzeitsjahr, daraufschreiben. Das andere Bettstammt auch aus dem Jahr 1913( Abb. 2), doch war die Anferti-gung eines zweiten Bettes als Aussteuermöbel in Harta regel-

14