Druckschrift 
Die Bauernmöbel von Harta : Erläuterungen zur Möbelstube der Ungarn-Deutschen in der Sammlung des Ethnographischen Museums Schloss Kittsee
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

wohner mit eben beschriebener Einrichtung noch in den dreißi-ger Jahren unseres Jahrhunderts in einer einzigen Stube, alsoauf engstem Raum zusammengedrängt lebten, während man inden Häusern der Reicheren im wesentlichen in der gleichenOrdnung eingerichtet- neben dem Wohnzimmer noch über ei-ne eigene gute Stube verfügte. Diese wurde bereits um 1877 all-gemein üblich. In den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts be-wohnten die wohlhabenderen Hartaer sogar drei Zimmer: die gu-te Stube, ein eigenes Wohnzimmer für die Alten und ein anderesfür das mitwohnende junge Ehepaar. 17)

Außenstehenden war es eher verborgen, wie die Familien dieKosten für die Einrichtung aufbrachten. Im Dorf wurde allge-mein erwartet, daß die Aussteuer der Mädchen zur rechten Zeitgesammelt werde, einschließlich der zwei Möbelstücke der Aus-steuer: einem Bett und einem Schrank. Sobald das Mädchen diedamals obligatorische sechsklassige Elementarschule absol-viert, also das Alter von zwölf Jahren erreicht hatte, begannendie Eltern mit den nötigen Vorbereitungen. Der Sitte nach be-kam das Mädchen zunächst als ersten Teil der Mitgift das Bett,als zweiten Teil im folgenden Jahr den Schrank. Die Beschaf-fung der vor das Bett zu stellenden Stühle sowie der übrigen Mö-belstücke war Aufgabe des Bräutigams.

Die Familien mit kleinem Einkommen hatten Mühe, für dieseAusgaben aufzukommen, kosteten doch ein Bett und einSchrank den Jahreslohn eines Dienstmädchens. So wurde fürdie 1878 geborene Christina Katona, die aus einer sehr armenFamilie stammte ihr Vater war ein ungarischer Knecht bei ei-nem Landwirt in Harta-, das Bett erst 1894, als sie sechzehnJahre alt war, angefertigt. 1896 ehelichte sie Heinrich Lehotzki,der Eigentümer von vier Joch Grund war und im Winter als Lei-nenweber, im Sommer als Schiffer, teilweise als Anteilschnitterund auch an der Dreschmaschine arbeitete. 1904, acht Jahrenach der Eheschließung, waren sie so weit, sich die zwei vor dasBett zu stellenden Stühle leisten zu können und erst elf Jahredanach, 1907, konnte es zur Bestellung des Tisches und der da-zugehörigen Eckbank kommen. Mehrere Stücke ihrer Einrich-tung, so den Kleiderschrank und den Halbschrank, kauften siebei einer Versteigerung. In Harta war diese Art der Möbelbe-schaffung allgemein üblich. Gelegenheit dazu bot die Sitte,nach einem Todesfall die ganze Verlassenschaft zu versteigernund das eingelaufene Geld zu teilen.

13