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untersatzes sind ganz reine Renaissanceformen, der Ansatz der Lehnenzeigt aber doch schon den Übergang zur barocken Rollenbildung,während die Blasenwirbel der Schiebetüren uns ins 15. Jahrhundertzurückführen. Dieses letztere ist immerhin ein Anhaltspunkt dafür,seit wann das Bett in seiner jetzigen Form mindestens schon besteht.Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Einrichtung in der Bretagneaber erheblich älter. Was uns zu einer solchen Vermutung berechtigt,ist die Tradition, die an die Bettruhe, die Bettbank und den Sitzauf derselben anknüpft. Die Verwendung der Truhe zur Aufbewahrungvon Mehl und dergleichen ist vollkommen mit der Bestimmung derniedersächsischen und nordischen Bettruhe identisch. Mit der nieder-sächsischen stimmt sie auch äußerlich vollkommen überein; der Deckelist nämlich hier wie dort nicht aufzuklappen, sondern abzuheben. Vorallem aber gilt die Truhe in der Bretagne als Ehrensitz, genau sowie uns dies im germanischen Verbreitungsgebiet von der Insel Samsöbezeugt ist, das heißt, sie bedeutet ein mit dem Hauswesen als solcheseng verwachsenes, traditionell geachtetes Inventarstück. ¹) Dieser Zugist, wie wir aus seinem unverkennbaren Zusammenhang mit derEinrichtung des Hochsitzes u. s. w. schließen müssen, gewiß in sehrfrühen und ursprünglichen Zeiten entwickelt worden; hätte man dasKastenbett im 15. Jahrhundert als einfaches Gebrauchsmöbel über-nommen, so hätte sich die Sitte wohl kaum mehr mit übertragenlassen, wenngleich uns das Beispiel des so ehrwürdig gewordenenArmstuhles oder» Großvaterstuhles« lehrt, in solchen Fragen vorsichtigzu sein. Wir dürfen aber doch jedenfalls mit einem ziemlich hohenAlter des Kasten bettes in der Bretagne rechnen.
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Weitere wichtige Bestandteile des Hausrates sind der Kasten( pres im Dialekt von Tréguier, in Léon armell, arbell), 2) das Büfett( parailher, listrier, auch seltenfranz. vaisselier) unddie Standuhr. Diese Möbel entstammen unzweifelhaft dem bürger-lichen französischen Haushalte; in der Regel bewegt sich ihre Aus-schmückung im Formenkreise des 18. Jahrhundertes, namentlich auchnoch der Barocke, der die Bauernkunst fast aller Länder nördlich derAlpen ihre hauptsächlichsten Anregungen bis zu ihrem Ausleben inder Jetztzeit verdankt. In der Sammlung des Museums befindet sichkein Kasten; in der Regel ist er anscheinend ein großes, stattlichesMöbel von eleganterer Formgebung. Das Büfett im Besitze des Museumszeigt Stilelemente des Rokoko in den asymmetrisch geschwungenenFüllungen, während die Eisenbeschläge schon vollkommen klassi-zistische Schulung des Arbeiters verraten.
Im Gebiet von Cornouaille hat das Büfett eine ganz eigentüm-liche Auszier erhalten. Wie aus der nach Vallaux gegebenen Skizze
1) Dr. Trebitsch a. a. O., S. 118; Rhamm a. a. O., S. 105.
2) Die im Text gegebenen bretonischen Termini und Erklärungen verdanke ich derFreundlichkeit des Herrn Prof. J. Loth am Collège de France in Paris.