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Beiträge zur bretonischen Volkskunde : Erläuterungen zur bretonischen Sammlung des k. k. Museums für österreichische Volkskunde in Wien
Entstehung
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kaum in diesen Kreis. Die betreffende Bettstelle ¹)( aus Isola amSilsersee, datiert 1674) stand frei im Raume, war kastenförmig gestaltetund durch an den Seiten angebrachte Schiebetüren ganz fest zuverschließen. Dieser Typus stimmt wohl am ehesten überein mit denBetten, die, nach einem Interieur des ethnographischen Museums imTrocadero zu schließen, in der Auvergne üblich waren. Das Stück,auf das ich mich beziehe, ist ein auf vier Füßen stehender viereckiger,mit Plafond versehener Kasten, dessen rückwärtige Längsseite miteinem Vorhang verschlossen wird, während an der vorderen Wandnur eine verhältnismäßig kleine, barock profilierte Einstiegöffnungausgespart ist. Zweifelsohne sind die beiden eben beschriebenenFormen nur extreme Ausbildungen des Himmelbettes, mit einem» Bretter- Himmel«, wie er in Anlehnung an bürgerliche Bettformendes 15. und 16. Jahrhundertes 2) entstanden sein dürfte und im bäuer-lichen Hause noch heute weite Verbreitung besitzt. Um nur zweiBeispiele aus Mitteleuropa zu nennen, gehören sowohl zahlreicheBetten aus Vorarlberg, Oberösterreich u. s. w. wie auch Betten ausdem Königreiche Sachsen in diesen Kreis. Für die Geschichte unseresan die Wand angelehnten, oft auch mehrstöckigen Kastenbettes ist aberaus diesen verhältnismäßig späten Formen wohl nichts zu gewinnen.Rhamm schließt auf Grund sprachlicher Tatsachen, derenDeutung allerdings nicht absolut verläßlich ist, daß der Bettschrankschon im 12. Jahrhundert, also ziemlich früh, in Westfalen heimischwar und als ein fester Bestandteil des niedersächsischen Hauseszeitlich noch weiter zurückreiche. Er erwägt aber doch auch dieAnnahme, ob der Typus nicht auf holländischem Boden höheres Alterund größere Ursprünglichkeit besitze. 3) Zweifelsohne ist sein ursprüng-liches Verbreitungsgebiet auf germanischem Boden zu suchen, auchsein hohes Alter dortselbst dürfte feststehen, wenn wir an seinüberraschendes Auftauchen in Schottland denken; in das romanischeWohnhaus der Bretagne hat er wohl erst sekundär, aber gewißverhältnismäßig früh Eingang gefunden. Der Typus unserer Stückeläßt sich für eine auch nur hypothetisch geäußerte Altersbestimmungwohl nicht verwenden.

Das zweistöckige Bett ist verhältnismäßig späten Datums. Derälteste Zug daran ist der barocke Schnitt der Einstiegöffnung undder Füllrahmen, aber er darf uns nicht den Blick dafür trüben,daß sowohl der Firnisanstrich wie vor allem die echt volkstümliche,aber doch verhältnismäßig junge Auszier der Wand mit Herz-und Sternmotiven aus Messingnägeln das Stück in eine erheblichspätere Zeit, etwa die erste Hälfte des 19. Jahrhundertes, verweist.( Taf. IV, Fig. 5.)

1) Rhamm a. a. O., S. 89.

2) Vergl. M. Heyne: Das Deutsche Wohnungswesen", Leipzig 1899, S. 265

3) Rhamm a. a. O., S. 95.