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Beiträge zur bretonischen Volkskunde : Erläuterungen zur bretonischen Sammlung des k. k. Museums für österreichische Volkskunde in Wien
Entstehung
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Urteil über die kulturgeschichtliche Stellung dieser Einrichtunggestatten, müssen wir nun zunächst das höchst altertümliche undbemerkenswerte Möbel besprechen, an das die Institution der Truhen-bank zweifellos anknüpft, es ist das Kasten bett.( Vergl. Fig. 2.)

Das k. k. Museum für österreichische Volkskunde besitzt zweiTypen desselben, ein einstöckiges und ein zweistöckiges. Das ein-stöckige Bett erhebt sich über einer Truhenbank, die geschnitzteVorderwand besitzt zwei Schiebefenster zum Schließen der Einstieg-öffnung, die Seitenwände werden durch einfache Bretter gebildet,ebenso die Lagerstätte, die mit Strohsack und dem nötigen Bettzeugversehen wird. Vor der Einstiegöffnung wird zur Auszier bisweilenauch ein kleiner Vorhang angebracht. Das ganze Möbel ist derartan die Hauswand angerückt, daß es einen allseitig geschlossenenKasten bildet. Das zweistöckige Bett ist einfacher, besitzt keineSchiebefenster, sondern nur zwei Einstiegöffnungen, eine über demBoden und noch eine andere darüber. Die Truhe fällt hier natur-gemäß fort. Sonst ist seine Verwendung dieselbe wie die des erst-genannten Bettes. Die Zahl der Schläfer ist verschieden; in der Regelschlafen in einem solchen Bette im oberen Abteil die Eltern, imunteren die Kinder; die Tiefe ist also durchschnittlich für zweiSchläfer berechnet.

Zweifelsohne war dieser Betttypus, der sich heute in Frankreichisoliert nur in der Bretagne erhalten hat, einstmals in geschlossenerLinie von hier bis nach Holland herrschend, wo wir heute noch seinenächsten Anverwandten finden. Von dort erstreckt er sich in breitemGürtel dann noch weiter nach Osten über das ganze Gebiet des nieder-sächsischen Hauses und über Holstein und Dänemark nach Norden,bis nach Skandinavien hinein. Die nordischen» skabsing« sind in ganzähnlicher Weise zweistöckig gebaut, wie diesbretonischen Typus gilt. 1)

von dem einen

Ein weiteres Verbreitungsgebiet des Kastenbettes ist Schottland;an die Stelle der in der Bretagne und anderwärts üblichen horizontalgleitenden Schiebetüren treten hier nur vertikale Schieber zumSchließen der Einstiegöffnung. 2) Leider wissen wir sehr wenig überAlter und Ursprung dieses seltsamen Betttypus. Immerhin hat nament-lich K. Rhamm sich schon mit dieser Frage eingehender befaßt.Sicher ist, daß das Kastenbett früher viel allgemeiner als heute ver-breitet war; Rhamm erwähnt Nachrichten von seinem Vorkommenin Württemberg und meint, daß es früher vielleicht auch in denAlpenländern verbreitet gewesen sei.

Eine von Schultz geschilderte Bettstelle aus dem oberen Engadin,die Rhamm gleichfalls hier als Beispiel heranzieht, gehört allerdings1). K. Rhamm: Urzeitliche Bauernhöfe in germanisch- slawischem Waldgebiet"I. Teil. Braunschweig 1908. S. 87 f.

2) Mündliche Mitteilung von Miß S. Levetus.