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Beiträge zur bretonischen Volkskunde : Erläuterungen zur bretonischen Sammlung des k. k. Museums für österreichische Volkskunde in Wien
Entstehung
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ist, als solche alte Gebäude, die von ihren Herren verlassen wordenwaren, vielfach in den Besitz von Bauern übergingen. Das ursprüng-liche Baumaterial für die einfacheren Häuser war und ist überall derBruchstein, und zwar der Granit. Als Tür- und Fensterstöcke wieauch zur Verfestigung des Mauerwerkes verwendet man stattlicheGranitblöcke oder, wo diese fehlen, Eichenpfosten. In der niederenBretagne werden die Eingangstüren der Häuser auch durch Rund-bogen, seltener durch Spitzbogen überwölbt, in Anlehnung an dieeben erwähnten Gutshöfe.¹)

Die Dachbedeckung besteht aus Stroh, das auf einem Holzgerippeüber der Mauer aufruht; es macht einen gar anheimelnden Eindruck,diese dicke Strohlage in weicher Rundung die viereckigen Dachluckenüberdecken zu sehen. Bisweilen beobachtete ich( immer im Gebietedes Mont S.- Michel) größere Öffnungen zum Einbringen des Heuesüber dem Stalle, niemals aber Vorbauten oder Ausbauten wie beiden fränkischen Häusern.

Das obere Stockwerk war bei den älteren Häusern nur durcheine außen angebrachte Stiege zugänglich; heute bringt man zudiesem Zwecke eine Wendeltreppe im Hausinnern an.

Zum Hofe gehört außer den angeführten Baulichkeiten fernernoch häufig ein Brunnen und, wo Zidergewinnung in größerem Aus-maße getrieben wird, die Ziderpresse. Der Brunnen besitzt einenzylindrischen Schacht mit aufgemauerter halbrunder Brüstung, inwelcher ein horizontaler Balken zum Aufwinden der Schöpfgefäßeeingelassen ist.

Die Ziderpressen( wenigstens die neueren Konstruktionen, diemir zu Gesicht kamen) besitzen einen ringförmigen Preßgang ausZement, in dem an einer wagrechten kreisenden Achse eine zylin-drische Walze läuft; interessant ist, daß ganz dieselbe Vorrichtungin Oberösterreich und Steiermark zur Herstellung des Obstweinesverwendet wird. 2)

Natürlich werden, abgesehen von den schon aufgeführten Anlagen,nach Bedarf noch verschiedene andere Behelfe für landwirtschaftlicheArbeiten verwendet. Die Äpfel läßt man auf dem Pflaster des Hofesaufgehäuft; zum Schutze vor der Witterung wird jedoch ein einfachesDach darüber errichtet u. s. w. Landwirtschaftliche Geräte verschiedenerArt finden Platz im Wagenschupfen. Sensen, Rechen, ferner Knoblauch,Zwiebeln u. s. w. werden an Pflöcken außen an der Hauswand auf-gehängt. In Moidrey sah ich einmal Extremitätenknochen vom Pferdoder Rind zu diesem Zwecke in die Wand eingelassen.

Ein höchst interessantes Kapitel würden noch die Geräte zurFeldarbeit darstellen, von denen jedoch in der Sammlung so

1) Vallaux a. a. O., S. 135.

2) Das Bauernhaus in Österreich- Ungarn und seinen Grenzgebieten", Dresden 1906,S. 170 mit Abb. 58.