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Beiträge zur bretonischen Volkskunde : Erläuterungen zur bretonischen Sammlung des k. k. Museums für österreichische Volkskunde in Wien
Entstehung
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Dachboden über dem Stall dient als Speicher. Der Wohntrakt über-ragt in der Regel den Stall um ein geringes, der Raum unter demDache diente ursprünglich gleichfalls zur Aufbewahrung von Feld-früchten; in moderneren Häusern wird derselbe jedoch etwas höhergebaut und erscheint in eine Wohnstube für den Hausherrn, be-ziehungsweise auch dessen Familie umgewandelt, während das Gesindein dem Küchenraum zu ebener Erde verbleibt.¹) Da eine solche Über-höhung des Stockes allgemein als ein Zeichen der Wohlhabenheitangesehen wird, hat sie sich überall rasch eingebürgert.

Als selbständige Gebäude treten nur die Scheuer für Korn-früchte und der Schweinestall auf. Der halb offene Wagenschupfenwird, wo er vorkommt, an ein schon bestehendes Gebäude, in derRegel die Scheuer, angelehnt. Diese Gebäude werden dem Wohn-hause gewöhnlich auf der anderen Seite des» Hofes«< gegenüber-gestellt, wodurch eine Anlage unserem» Paarhof« vergleichbar entsteht.Ein derartiger Hof, den ich in Moidrey, nahe dem Mont S.- Michel,zu beobachten Gelegenheit hatte, zeigte folgende Anordnung: auf dereinen Seite des teilweise mit flachen Steinen gepflasterten Hofes derWohntrakt, bestehend aus Wohngebäude mit Oberstock, Kuh- undPferdestall; auf der anderen Seite gegenüber dem Wohngebäude derSchweinestall, daran unmittelbar anstoßend ein Schutzdach für Äpfel,hierauf die Apfelpresse und, den Hof abschließend, die Remise fürverschiedene landwirtschaftliche Geräte mit einem halb offenen Vorbau.Hier sind überhaupt schon ausgebildetere Hofanlagen anzutreffen alsin der eigentlichen Bretagne, so auch Hakenhöfe, bei denen ein Teilder Ställe quer zum Haupthause gestellt wird, beispielsweise in LaFresnais unweit St. Malo.

Endlich werden hier auch die ganzen Baulichkeiten, wenn dieBedeutung des Betriebes es erfordert, an drei oder vier Seiten einesrechteckigen Hofes gruppiert, die praktischeste Bauanlage auf ebenemTerrain, bei der in sehr erwünschter Weise ein einigermaßen abge-schlossener Platz für verschiedene landwirtschaftliche Verrichtungengewonnen wird. Diese Ausbildung kommt jedoch anscheinend nur inden östlichen Gebieten, die an die Normandie und Maine, Anjou etc.grenzen, vor, während für die niedere Bretagne, also die eigentlicheHalbinsel, von Vallaux nur kleine Scheuern und Schweineställe alsNebengebäude erwähnt werden, die zu einer Hofbildung in diesemSinne natürlich nicht hinreichen. 2) Die Kleinheit der Scheuern stehtwohl damit in Zusammenhang, daß man das ausgedroschene Strohnicht unter Dach verwahrt, sondern in runden Haufen um Pfähle oderauch Bäume aufschobert.

Die Bauart der Häuser ist vielfach von der der alten Gutshöfeund Herrensitze( manoirs) abhängig, was umso weniger verwunderlich

1) Vallaux a. a. O., S. 138 f.

2) A. a. O., S. 135.