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Beiträge zur bretonischen Volkskunde : Erläuterungen zur bretonischen Sammlung des k. k. Museums für österreichische Volkskunde in Wien
Entstehung
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Der Bauernhof mit dem Hausgarten und allem, was dazu-gehört, weicht in seiner Anlage in der Bretagne nicht wesentlich vonder in benachbarten Landesteilen ab. 1) Ein charakteristischer Zug mußallerdings hervorgehoben werden, es ist die Umwallung der Grund-stücke mit Erdmauern, die in ihrer Gesamtanlage oft 1 bis 2 m breitund 2 m hoch werden kann; bis weilen werden die Erdwälle auchmit Steinbelag versehen. Je nach dem Größenausmaße unterscheidetman verschiedene Arten der Umwallung. Obenauf wird Ginster undStechginster gepflanzt, der, kurz gehalten, eine lebende Hecke ergibt;auch Bäume sind oft reihenweise in diese Anschüttungen eingesenkt. 2)Dank diesen lebendigen Schutzwehren, die überdies noch wertvollesBrennholz liefern, ³) braucht der Bretone fast nie oder nur seltenHolzzäune, die darum auch nur in den einfachsten Formen auftreten,als Stangenzaun, aus senkrechten Gabelpfosten und horizontal darüber-gelegten Stangen bestehend; hie und da erscheint ein Weg mit einerBarriere einfachster Art, einem quer auf zwei Pfosten genageltenBalken, gesperrt, andere Formen sind kaum anzutreffen.

An Bodenfrüchten ist die Bretagne ziemlich arm; Buchweizen,die genügsame Kornfrucht armer Böden, spielt eine Hauptrolle, dochwird auch Hafer, Korn, Gerste u. s. w. gebaut.

Viehzucht wird im ganzen Lande reichlich und mit steigendemErfolge getrieben, und wo Klima und Boden es erlauben, stehen inden Grundstücken, zahllos und reiche Frucht tragend, die Apfelbäume,die heute einen der wichtigsten Faktoren bezüglich des Wohlstandesdes Landes bilden.

Von Siedlungsformen begegnen wir allen Typen von derZusammendrängung der Häuser im enger Straßendorf bis zur Einzel-siedelung. Wir gehen indessen auf diese von verschiedenen Faktorenbeeinflußten Verhältnisse hier nicht näher ein, sondern wenden unsgleich der Besprechung des Bauernhofes im einzelnen zu.

Das bretonische Haus weicht, um dies gleich vorweg zu nehmen,in keiner Weise von den Haustypen der angrenzenden Gebiete ab;wir finden bis in die Normandie und nach Maine hinein überall die-selbe Grundgestalt wieder; die Hofanlage, worunter wir die demHauswesen und dem landwirtschaftlichen Betriebe dienenden Gebäudein ihrer Gesamtheit verstehen, erscheint den jeweiligen Bedürfnissenangepaẞt und bietet daher in der Bretagne stets ein ärmlicheresAnsehen als in den reicheren östlichen Gebieten.

Die einfachste Form des Hofes ist, wie überall, der» Streckhof«<.Wohn- und Wirtschaftstrakt, nämlich die Stallungen für Pferde undKühe, sind unter einem ungebrochenen First aneinandergesetzt. Der1) Vergl. G. Vallaux: La basse Bretagne: Étude de Géographie Humaine. Paris 1907.Enquête sur les conditions de l'habitation en France. 2 Bde. Paris 1894.

2) Vallaux a. a. O., S. 100 ff.

3) Dr. R. Trebitsch in der Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik",31. Jahrgang 1909, S. 211.