Wachszieherei
Bis ins 19. Jahrhundert, also vor ungefähr 200 Jahren, waren Wachskerzen immer ausreinem Bienenwachs. Dieses war teuer und konnte deshalb nur von der Kirche undreicheren Menschen verwendet werden. Alle anderen Bevölkerungsschichten musstensich mit Talg- oder Unschlittkerzen aus tierischen Fetten begnügen. Diese stanken undgaben wenig Licht. Den Wachsziehern war es verboten, Lichter aus Talg herzustellen.
Da der Lebzelter den Honig in den Waben kaufte, hatte er auch das Wachs. So kommt es,dass viele Lebzelter auch Wachszieher waren. Das gelbe Rohwachs musste vor derVerarbeitung gereinigt und gebleicht werden, da die Kirche nur weißes Wachs benützenwollte. Die wochenlange Bleiche an der Sonne war eine anstrengende Arbeit. Heute wirdBienenwachs chemisch gebleicht.
Kerzen bestehen aus einem Garndocht und Wachs. Sie können geknetet, getunkt,angegossen, in Formen gegossen oder gezogen werden. Beim Kerzenziehen wird derDocht zwischen zwei Zugtrommeln durch flüssiges Wachs hin- und hergezogen. Beijedem Zug wird der Strang etwas dicker und danach in der gewünschten Kerzenlängeabgeschnitten. Zum Wickeln der Wachsstöcke werden dünne, lange Wachssträngeverwendet. Die gegossenen Wachsvotive entstehen in Holzformen.
Heute werden Kerzen nur noch selten aus Bienenwachs erzeugt. Seit einiger Zeit wirddafür Stearin und Paraffin verwendet, wodurch Kerzen billiger geworden sind. Paraffinwird aus Erdöl gewonnen. Stearin kann aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden,aber zur Gewinnung von Stearin aus Palmöl müssen große Flächen des Regenwaldesabgeholzt werden, was wiederum der Umwelt schadet. Heute wird Kerzenlichtüberwiegend bei festlichen oder romantischen Gelegenheiten eingesetzt. KleinereUnternehmen arbeiten wieder mit Bienenwachs und ersetzen die Aluschalen derTeelichter durch umweltfreundlicheres Glas.
Sinne und Dinge: Bienenwachs und Honigkuchen
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