Druckschrift 
Ritt durch die Passage : Objekte rund ums Pferd ; 21.9. bis 5.12.2021
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

38

Hufeisen

Eisen, geschmiedet

Kärnten; 16.- 18. JahrhundertÖMV/ 41.490

Früh übt sich

Spiele und Spielzeug spiegeln die Lebens-und Gedankenwelt ihrer Entstehungszeitund differieren je nach sozialem Umfeld,Alters- und Geschlechterzuschreibungen.Das Pferd gehört neben dem Schweinund dem Rind zum Grundrepertoirespielender Kinder. Schon mit einfachstenMitteln kann das Ross zum Bestandteilvon Kinderspielen werden: ob auf denKnien eines Familienmitglieds reitend,begleitet vom Kinderlied Hoppe, hoppeReiter", ob ein Stecken mit einem aus einerSocke oder Papier gefertigtem Kopf in derFantasie zum Pferd wird oder im einfachenSpringschritt im Takt des Galopps dasKind sich selbst in das Tier verwandelt.

Begibt man sich auf die Suche nachKinderspielzeug in den Sammlungen desVolkskundemuseum Wien findet manNaturspielzeug, das früher im häuslichenUmfeld, aus einfach gestalteten Holzstückengefertigt wurde, ebenso wie hausindustrielloder industriell hergestelltes Spielzeug.

Das vielfältige Spielzeug mit Pferdebe-zug spiegelt die zahlreichen Einsatzmöglich-keiten des Tieres wider. Pferde auf Rollen,die man hinter sich herzieht, sind erstmalsfür das antike Rom belegt. Das Steckenpferdist noch älter, es wurde in der griechischenAntike beschrieben und seit dem Mittelalterist es vermehrt bezeugt. Schaukel- oderHutschpferde, auf Kufen montiert, sind erstseit dem 17. Jahrhundert nachweislich inVerwendung und waren ebenso wie das

Steckenpferd besonders im 19. Jahrhun-dert in reichen Adels- und Bürgerfamilienbeliebt. Schaukelpferde wurden nicht nurunter dem Weihnachtsbaum verschenkt,sondern dienten in Miniaturform der Zier desWeihnachtsbaums, mitunter stellvertretendfür den größeren, nicht leistbaren Wunsch.All diese mit Bewegung in Verbindung ste-henden Pferdespielzeuge verweisen ebensowie Kutschen auf Berufe im Zusammenhangmit Handel und Transport von Nachrichten,Gütern und Personen beispielsweise alsBotenreiter, Fuhrmann oder Postillion. Lei-terheuwägen zeigen den Stand des Bauern,der wenn er es sich leisten konnte, Pferdein der Wald- und Feldarbeit einsetzte.

Pferdespielzeug sollte den Kindernnicht nur zum Vergnügen dienen, sondernsie zudem auf ihre zukünftigen Aufgabenim Erwachsenenleben hinführen. Ab dem18. und besonders ab dem 19. Jahrhundertwurde Spielzeug in adeligen und bürgerli-chen Familien bewusst als pädagogischesMittel mit Erziehungszielen eingesetzt. Essollte auf die spätere Rolle in der Gesell-schaft vorbereiten, weshalb MädchenSpielzeug aus dem häuslichen Umfeld wiePuppen und Buben Spielzeug aus dem mili-tärischen später auch technischen Bereicherhielten. Besonders deutlich wird diesbei den männlich konnotierten Pferden imKontext von Zinnsoldatenspielen. Mit die-sen sollten Buben im Sinne einer geistigenKriegsvorbereitung" auf militärische undnationalpädagogische Ziele eingeschworenwerden. Kavalleristen in Form von Zinn-soldaten repräsentierten die militärischeLaufbahn in den verschiedenen Regimenternwie bei den Ulanen, Dragonern und Husa-ren bis zum höchsten Rang des Generals.Mit der Industrialisierung Endedes 19. Jahrhunderts veränderte sich dieSpiel- und Freizeitlandschaft. Die industriell