Der glänzende Messingzierrat imSammlungsbestand zeugt vom Stolz derBauern und Fuhrleute. Sie putzten ihreKummete und Fahrgeschirre für bestimmteAnlässe damit heraus. Zierkämme und Kum-metaufsätze sowie Schmuckplaketten mitPferdemotiven kamen zum Einsatz. Heutekann man solche Festtagsgeschirre nochbei kirchlichen Leonhardifahrten um denFesttag des Hl. Leonhard im November oderdiversen Festumzügen bestaunen. Vielesdieser einstigen Pracht dient heute nur nochals Wandschmuck. Es wurden aber nichtnur Pferde aufgeputzt, auch Männer undFrauen schmückten sich mit Darstellungender vierbeinigen Gefährten: das Pferd an derChatelaine( Uhrgehänge) eines Hufschmieds,Reiterdarstellungen auf der Pfeife einesRauchers oder der Haarsteckkamm für dieFrisur einer Dame. Frauen von vornehmerHerkunft ritten übrigens bis ins 13. Jahrhun-dert hinein in ihren wallenden Gewändernim Herrensitz. Als dies im Spätmittelalterunschicklich wurde, mussten sie im Seitsattelauf einem gepolsterten Reitkissen mit Lehneund Fußstütze reiten. Sie saẞen dabei- imGegensatz zum heutigen Damensattel-nicht schräg, sondern quer zum Pferd. Dasie in dieser instabilen Sitzposition keineEinwirkung auf das Reittier hatten, war einsicheres Fortkommen nur im Schritt oder inder Spezialgangart Tölt möglich. Die bekann-testen„ Tölter" sind heute die Islandpferde.
Trotz intensiver Recherche gibt esObjekte im Museum, deren Herkunft rätsel-haft bleibt. So weiß man von der Uhr mit demorientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen Reiter auf dem Ziffernblatt bis-her lediglich, dass sie in Schlesien in Verwen-dung war und bereits 1896 ins Museum kam.Vielleicht war ihre Geschichte nur mündlichweitergegeben worden, denn das Inventar-buch schweigt. Ein Petschaft( Siegelstempel)in Form eines Pferdekopfes wurde im Zuge
der ,, Patriotischen Kriegsmetallsammlung"all seiner Geschichten und Herkunftsangabenberaubt. Damals war die Bevölkerung in denersten beiden Jahren des Ersten Weltkriegszur Abgabe von Gegenständen aus Metall auf-gerufen worden. Einen Teil davon stufte einKomitee als„, historisch und künstlerisch her-vorragende Spenden" ein. Diese präsentierteman um die Jahreswende 1915/16 in Wiender Öffentlichkeit und dokumentierte dieStücke in einem reich bebilderten Katalog.Nach dem Krieg erhielt das Volkskundemuse-um Wien einen- thematisch passenden- Teilder Objekte für seine Sammlungen. Dazugehörten unter anderem pferdebezogeneObjekte wie Kummetkämme und Plakettenaus Messing sowie Porzellanmedaillons fürBierkrüge, die aus ihren ursprünglichen Zinn-fassungen herausgebrochen worden waren.
Des Weiteren befinden sich Erzeug-
nisse im Sammlungsbestand, welche ausdem Schweif- und Mähnenhaar der Pferdehergestellt worden sind: Rosshaar wurdein Matratzen gefüllt, zu Besen gebunden,für feine Siebe verwebt. Man findet es alsBespannung in den Bögen von Streichinst-rumenten und zu Armbändern, Ringen undAnhängern verarbeitet. Es handelt sich dabeium filigrane Flecht-, Knüpf- und Webarbeitenaus blondem oder dunklem Rosshaar. Fürdie Fertigung solcher Schmuckstücke warenunter anderem die ungarischen Pferdehirtenbekannt. Ähnliche Rosshaarringe hatten rus-sische Kriegsgefangene in den Strafgefange-nenlagern des Ersten Weltkriegs hergestellt.
Einige Abbildungen zeigen, dass Pfer-de für die Jagd genutzt wurden, deren Aus-übung bis zur Revolution von 1848 allerdingsein Privileg des Adels war und daher in bäu-erlichen Objekten kaum Niederschlag fand.Das Pferd als Zugtier findet sich in den darge-stellten Motiven am häufigsten. Vor Karren,Kutschen und Schlitten gespannt und in den