Pferdestärke statt Ochsenkraft warein Zeichen von Prestige. An der Anzahlder Pferde wurde die Betriebsgröße derbäuerlichen Anwesen gemessen. BegüterteBauern konnten sich einen Rossknecht leis-ten, der in der Hierarchie der Knechte einehohe Stellung innehatte. Seine Kammerlag in unmittelbarer Nähe zum Pferdestall,da er die Tiere früh füttern und anspannenmusste sowie im Fall einer Kolik rasch vorOrt war. Das bedeutete auch, dass Pferdestatt Ochsen und Kühen nur auf wirtschaft-lich gut situierten Höfen als Arbeitstiereeingesetzt wurden. Rinder waren im Erhaltweniger kostspielig und gleichzeitig begehrteFleischlieferanten. Der Verzehr von Pferde-fleisch ist in Österreich ein Nischenprodukt.Umstritten ist, ob dies daher kommt, dassPapst Gregor III( Papst von 731-741) im Zugeder Christianisierung im Jahr 732 den Verzehrvon Pferdefleisch und das damit verbun-dene, nicht- christliche Opferwesen verbot.Oder ob damit ein Engpass an Streitrössernfür den Krieg verhindert werden sollte.
Abgesehen von der Kriegsführungnutzte man die Rösser für den Transportsowie für Wald- und Feldarbeiten. Ab der 2.Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es bereitspferdegezogene Maschinen mit einfachenSitzen zum Säen, Mähen, Spritzen, Erntenund dergleichen. Für den mechanischenAntrieb von Obstpressen oder Dreschma-schinen gingen Maultiere, Esel und Pferdestundenlang im Kreis. Der österreichischeMaler Anton Velim( 1892-1954) hat einesolche Szene skizziert: Ein angeschirrtesPferd bewegt den schweren Mühlstein, derdie Mostbirnen quetscht, indem es um diesenkrechte Antriebswelle des mechani-schen Göpelgetriebes geht. Grubenpferdeund-ponys mussten die Förderwagen imDunkel des Untertagebaus der Bergwerkeziehen, wo sich auch die Ställe befanden.
Dass Pferde mit ihren feinen Ins-tinkten zum Lebensretter werden können,zeigt folgender Bericht: Bei einer Explo-sion in einem bosnischen Braunkohle-bergwerk nahe Sarajewo 1934 entkamein Bergmann der Katastrophe, weil dasGrubenpferd, das er am Halfter führte,sich plötzlich losriss und zum Ausgangrannte. Der Bergmann wollte es zurück-holen und befand sich daher beim Aus-gang, als sich die Explosion ereignete.Dieser Umstand rettete ihm das Leben.Das Pferd hatte offenbar die sich aus-breitenden Gase bereits wahrgenommenund die Flucht ergriffen. Pferdewundergehören zur langen Pferd- Mensch- Be-ziehung genauso wie die Wunderpfer-de in Mythen, Märchen und Sagen.
Objekte erzählenvon Pferden
In allen Sammlungsbereichen des Volkskun-demuseum Wien trifft man auf historischeZeugnisse des Miteinanders von Mensch undPferd. Die Objekte erzählen von der Präsenzder Pferde im Leben der Menschen bis ins21. Jahrhundert hinein. Beispielsweisefindet sich ein Konvolut an Reit- und Pferde-geschirrzubehör mit über 80 Objekten ausdem Nachlass des Wiener Malers, Bildhauersund Illustrators Ludwig Koch( 1866-1934),der unter anderem für seine Pferdedar-stellungen bekannt ist. Darunter befindensich Zuggeschirrteile, Sättel, Zaumzeuge,Gebisse, Steigbügel, Hufeisen, Zierteile ausMessing sowie verschiedene Kummetformen.Das Kummet ist ein gepolsterter Ring,der um den Hals des Pferdes gelegt wird.So kann die volle Zugkraft des Pferdesgenutzt werden, ohne dieses einzuengen.