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Ritt durch die Passage : Objekte rund ums Pferd ; 21.9. bis 5.12.2021
Entstehung
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Das Reiten verdrängte nach und nachjene schlendernden, melancholischen,beschwerlichen oder doch langsamenund zweckmäßigen Fußwanderungen:man kam schneller, lustiger und bequemerzum Zweck."

Johann Wolfgang von Goethe( Aus meinem Leben.Dichtung und Wahrheit.Bd. 3. Tübingen, 1814)

Stets zu Diensten

Schweift man durch die Sammlungen desVolkskundemuseum Wien, findet man zahl-reiche Objekte, die die einzigartige Beziehungzwischen uns Menschen und jenem Tier wi-derspiegelt, das Bewegung in die Menschheitbrachte, zur Überlegenheit in Kriegen verhalf,im Arbeitsalltag entlastete und das Reisenerleichterte. Das Pferd ist in den unterschied-lichsten Darstellungsweisen in den Depotspräsent: gemalt, gezeichnet, gedruckt,geformt, gegossen, geschnitzt, gesägt. Esbegegnet uns als edles Tier, kraftvollesArbeitspferd, Kriegskamerad, treuer Freund.Meist romantisierend dargestellt, seltener alsgeschundene Kreatur. Die Objekte gewährenselbstverständlich nur Momentaufnahmender wechselvollen Beziehung zwischenMensch und Pferd. Einem Geschöpf, dasvorrangig Wildtier und Nahrungsmittel war,bis der Mensch das Potential des Pferdeserkannte, es mit unerbittlicher Härte odereinfühlsamem Flüstern- domestizierte undals Arbeitstier einsetzte. Seither ist das Pferddem Menschen stets zu Diensten. Als dertreue Gefährte aufgrund moderner tech-nischer Errungenschaften und geänderterKriegsführung entbehrlich wurde, bekam dasPferd einen neuen Platz als Dienstleister inunserer Gesellschaft zugewiesen. Heute be-gegnet es uns in Österreich als Freizeit- und

Sportpferd sowie in pferdegestützten The-rapieformen als Partner, Freund und Helfer.

Den derzeit frühesten Nachweis für dieNutzung von Reitpferden belegen Funde, dieaus der kupferzeitlichen Siedlung von Botaiin Kasachstan aus der Zeit um 3.500 v. Chr.stammen. Durch Domestikation, Zucht undSelektion entwickelten sich verschiedenePferderassen, die folgenden Typen zuzuord-nen sind: Vollblutpferde, Warmblutpferde( eine Kreuzung aus Voll- und Kaltblut), Kalt-blutpferde( kräftige Arbeitstiere) sowie Ponysoder Kleinpferde. Auf das richtige Pferd zusetzen, ist also nicht nur im Rennsport vonVorteil, denn Pferd ist eben nicht gleich Pferd.Für das vielseitig eingesetzte Nutz-tier gab es unterschiedliche sprachlicheund vom jeweiligen Verwendungszweckabhängige Bezeichnungen. Pferd und Rosssind im heimischen Sprachgebrauch diebekanntesten und gebräuchlichsten geblie-ben. Spricht man von Rössern, dann sindnicht immer gutmütige, schwere Kaltblütergemeint. Die Streitrösser der Ritter warenwendige, nicht allzu große, hochausgebilde-te Hengste, die bei Turnieren angriffslustigauf den Gegner zugaloppieren mussten.Die ursprünglich nicht negativ besetztenBegriffe Gaul, Mähre, Klepper wurden imLauf der Zeit zu abwertenden Definitionenfür alte, kranke und sonst ungeliebte Tiere.

Was unterscheidet das Pferd dabeivon den anderen Nutztieren? Neben seinerAusdauer, Kraft und Gelehrigkeit warenseine Schnelligkeit und Wendigkeit aus-schlaggebend dafür, dass der Mensch es fürverschiedene Einsatzbereiche gezüchtetund ausgebildet hat. Trotz der besonderenStellung des Pferdes in der Hierarchie derHaus- und Nutztiere darf nicht übersehenwerden, dass die Übergänge von Besit-zerstolz bis hin zur Ausbeutung fließendsind und einander nicht ausschließen.