ganze alte Monarchie streichen und ihre Zinnschraubflaschenohne Meistermarken löten konnten.
Der bei weitem größte Teil dieser Gegenstände, die sich zwang-los zu Gruppen zusammenfügen, entstammt der frühen Neuzeit.Mittelalterliche Gebrauchswaren sind, bis auf die Keramik, fastnie zu finden. Manche Gruppen, beispielsweise die alte Kerb-schnitzerei, weisen altertümliche Motive auf, immer wiederSechssternrosetten und Wirbelräder, die vielleicht noch volks-glaubensmäßige Bedeutung gehabt haben mögen. Auch die zünf-tigen Handwerker haben von symbolischen Zeichen Gebrauchgemacht, sie stellten ihren Zunftsymbolen häufig Lebenssprosse,Vasensprosse mit vielen Blüten gegenüber, besonders wenn essich um Minnegaben, um Hochzeitsgeschenke handelte. DieViechtauer Löffelschnitzer bemalten ihre Löffel in der Art derostasiatischen Lackmalerei vor allem schwarz, rot und gold, dieFigürchen und Sprüche, die sie hineinmalten, bezogen sich abermeist auf die heimische Liebe und Ehe.
Die deutlich für den internen, heimischen, meist bäuerlichenGebrauch geschaffenen und verzierten Stücke wandeln sicherst im 19. Jahrhundert, seit eine stärkere Berührung des Land-volkes mit der Stadt eintritt, beispielsweise durch das Auftretenvon städtischen Jägern und Bergsteigern in den Alpenländern.Da kommen dann Gebirgsblumen in den Blütendekor, und Jäger-gestalten in die Schnitz- und Treibarbeiten. Der Ausgriff aufFremdenverkehr und Sommerfrischlerwesen in seinen Frühformenwird spürbar. Arbeiten des Hausgewerbes können zu Reise-andenken werden, und zwar überall in ganz Europa, in den je-weils aus der landschaftlichen Volkskunst abgewandelten Formen.Die Sammlung hat vor allem die vor dieser letzten Periode lie-genden Gruppen erfaßt. Das Museum zeigt aus allen österrei-chischen Herstellungslandschaften reiche Bestände, und machtmit dieser kleinen Sonderausstellung darauf aufmerksam, daßim Hauptgebäude des Museums( Wien 8, Laudongasse 15—19)weit mehr an verwandten Stücken zu sehen ist.
Leopold Schmidt