Sommerfrische
und Urlaubsreisen
Bereits in der Antike genoss die römischeOberschicht die Annehmlichkeit, denSommer in einer Villa an der Küste, ineinem Landhaus oder in einer Thermezu verbringen. Die Reisenden erwarbenvon den Händlern vor Ort kleineSouvenirs, vielleicht eine Götterstatuette.Solche Stein- und Tonfiguren wurdenschon damals in Serienproduktion alsMassenware gefertigt. Im Mittelalter reisteman vorrangig aus der Notwendigkeitder Fortbewegung heraus, weniger zumpersönlichen Vergnügen. Die Pilgerreisewar für alle Schichten eine Möglichkeit zumOrtswechsel und dem damit verbundenenErwerb von Reise- und Pilgerandenken.Seit dem 16. Jahrhundert reisten jungeAdelige auf ihrer Grand Tour oderKavaliersreise an kulturell interessanteOrte in Europa, insbesondere nachFrankreich und Italien. Als Reiseandenkenhatten sie ihr Stammbuch mit denWidmungen neuer Bekanntschaften sowiekleine Veduten( Ansichten) der bereistenOrte im Gepäck.
Als die Bedeutung des öffentlichenPostkutschenverkehrs zur allgemeinenPersonenbeförderung ab der zweiten Hälftedes 18. Jahrhunderts zunahm, ging diesmit der allgemeinen Reisesehnsucht unddem erwachten Interesse der städtischenGesellschaft an der Natur einher. Die Her-ausbildung des Begriffs der Freizeit, also derTrennung von Arbeits- und anders nutzba-rer Nichtarbeitszeit, ließ die Menschen inden Städten an Sonn- und Feiertagen dasKaffeehaus besuchen oder Spaziergängemachen. Beliebte Ziele waren am BeispielWiens der Prater, der Augarten oder diekaiserlichen Gärten von Schönbrunn und
des Belvedere. Orte, die schon damals imZuge der Aufklärung aus Rücksicht auf dieGesundheit der Bevölkerung zum Lustwan-deln geöffnet worden waren. Gegen Endedes 18. Jahrhunderts erwachte das Inter-esse an Ausflügen in die Natur und an Ver-gnügungsfahrten in das städtische Umland.Man versuchte dem Gedränge und demSchmutz der Stadt zu entfliehen und suchteErholung in frischer Luft. Es waren Lustfahr-ten und Landpartien in die Dörfer rund umWien, deren Namen man heute vielfach nurmehr als Bezirksteil kennt. Der Zeisel- oderZeiserlwagen, ein überdachter Leiterwagenmit Sitzbrettern, brachte die Erholung-suchenden von der Stadtgrenze zu ihrenAusflugszielen rund um die Stadt, in dieWeinberge oder den Wienerwald. Gastrono-mie und auch Handwerksbetriebe profitier-ten, denn die Ausflügler und Ausflüglerinnenkehrten in die Lokale der Umgebung einund kauften vor Ort vermeintlich regi-onaltypische Waren als Souvenirs.
Der Geldadel, das gutsituierte Wirt-schaftsbürgertum und die bürgerlich- in-tellektuelle Gesellschaftsschicht der Zeitbegannen im Sommer auf der Suche nachRuhe und frischer Luft aus den Städten aufdas Land zu ziehen. Je nach Finanzlagemietete man eine Villa oder eine Wohnung.Während des Landaufenthalts der Frau-en und Kinder gingen die Männer ihrenGeschäften in der Stadt nach. Wer keineeigene Kutsche besaß, kam mit dem Gesell-schaftswagen am Wochenende auf Kurzbe-such. Dafür musste selbst in der Umgebungvon Wien eine längere Anreisezeit einge-plant werden. Auf die Annehmlichkeitender Stadtwohnung sollte in der Sommer-frische nicht verzichtet werden müssen.Hausrat und Personal kamen mit. In denSommeraufenthaltsorten erlebte man daseinfache Landleben in einer bürgerlichen