Kur- und Bäderreisen
Die Römer übernahmen die Badekulturvon den Griechen. Sie perfektioniertendas Badewesen weit über den Zweck derReinigung hinaus und suchten Heil- undThermalbäder( Aquae) zu therapeutischenZwecken auf. Orte mit heilenden Quellenwaren bis in die nördlichen Provinzenbevorzugte Siedlungsplätze. Ein Beispieldafür ist die Kurstadt Baden bei Wien( Aquae Pannoniae) mit ihren warmenSchwefelquellen, die schon unter KaiserClaudius( reg. 41-54 n. Chr.) Bekanntheiterlangte. Der Zusammenbruch desrömischen Reichs führte in Europa zum Endedieser ersten Blütezeit des Badewesens.
Bedeutend für die Entwicklung derspätmittelalterlichen Badekultur warenBerichte über die islamischen Badeanlagenmit ihren Dampfbädern, die Kreuzritter undPilger aus dem Orient Glossar ::: zum Glossareintrag Orient mitgebracht hatten.Der Besitz eines Baderaums in einer Burgoder einem Schloss galt als Ausdruck deshohen Lebensstandards. Seit dem 12. Jahr-hundert begann in Mitteleuropa die Nutzungöffentlicher Badestuben. Die Besucher undBesucherinnen pflegten darin Bäder inZubern und Schwitzbäder zu nehmen. DieseEinrichtungen dienten nicht nur Reinigungs-zwecken und der Behandlung von Krank-heiten durch den Bader, sondern warenzudem Orte geselligen Lebens. MancheBadehäuser gerieten in den Ruf, mehr derLust als der Reinlichkeit zu dienen. Infekti-onskrankheiten wie Lepra, Pest und Syphilissetzten dem ausgelassenen Vergnügen inden öffentlichen Badehäusern ein Ende.
An Plätzen mit natürlichen warmenQuellen entstanden erste Kureinrichtungenmit Herbergen für die Gäste. Einige dieserQuellen waren schon von den Römerngenutzt worden, die Badekultur der Antikewar aber auch hier in Vergessenheit geraten.
Weniger betuchte Heilungsuchende badetenin den Thermalquellen gemeinsam in offe-nen Becken unter mangelnden hygienischenBedingungen. Verursacht durch die Verbrei-tung der Syphilis und anderer ansteckenderKrankheiten kamen in den Kureinrichtungendeshalb seit Ende des 16. Jahrhunderts vorallem Trinkkuren zur Anwendung, die im 18.Jahrhundert eine Blütezeit erlebten. Zwan-zig Liter und mehr mussten täglich getrun-ken werden. Bäder- und Trinkkuren warendamals das Mittel der Wahl, um Linderungbei jeglichem Leiden zu finden. Beispiels-weise Johann Wolfgang von Goethe, der vorallem zwischen 1785 und 1823 regelmäßigBäderreisen nach Karlsbad oder Marienbadunternahm, schätzte Trinkkuren ebenfalls.Neben den zahlreichen Kur- undBadeorten mit lokaler und regionaler Bedeu-tung erlangten im 19. Jahrhundert einigeKurstädte Weltruf und wurden zu Mode-bädern. Einen bedeutenden Aufschwungerlebte in dieser Zeit das zur österrei-chisch- ungarischen Monarchie gehörendeWestböhmische Bäderdreieck mit den dreiKurorten Karlsbad, Franzensbad und Mari-enbad. Entscheidend für den Aufschwungdieser Kurorte war, dass sie über vorzüglicheThermalquellen für Trinkkuren verfügten,Moorbäder einführten und Teil des europä-ischen Eisenbahnnetzes waren. Seit 1872konnte man mit der k.k. privilegierten KaiserFranz Josephs- Bahn auf durchgehendemSchienenweg von Wien nach Eger fahrenund erreichte dort die Anbindung an dasBäderdreieck. Die hohen Besucherzahlenerforderten die Errichtung von großen Bade-und Kurkomplexen mit den dazugehörigenQuellenhäusern, Trink- und Wandelhallensowie Hotels und Privatquartieren. Manreiste alleine, vielleicht als Ehepaar. Derinternationale Kurgast erwartete sich dar-über hinaus angemessene Unterhaltung.Die feine Gesellschaft versuchte ihr Glück