zu sich selbst zu sehen. Meist einzeln unter-nommen, ist die Pilgerreise also Ausdruckdes persönlichen Glaubens. Dauer und Rück-kehr sind nicht immer absehbar. Demgegen-über erfolgt die Wallfahrt gemeinschaftlich- seit dem 16. Jahrhundert in Form vonProzessionen- in der Absicht, nach demBesuch des Gnadenortes unverzüglich nachHause zurückzukehren. Wallfahrten sindmeist anlass- oder terminbezogen. Es gibtBitt- oder Dankwallfahrten( z. B. bei einemKrankheitsfall in der Familie oder beim Vieh,bei Epidemien wie Pest und Cholera oderbei Naturkatastrophen), Wallfahrten wegenAblassterminen, Wallfahrten von Berufs-gruppen oder Bruderschaften, Jubiläums-wallfahrten. Seit dem Mittelalter wurdenWallfahrten zudem als Buße von kirchlicherSeite oder als weltliche Strafe auferlegt.
Beim Wallfahrtsziel angekommenerwarten die Gläubigen Verkaufsstände mitmassenweise produzierten Souvenirs undDevotionalien( Gegenstände der Andacht)für sich selbst und die Daheimgebliebenen:vor Ort geweihte Rosenkränze, Kreuze,Pilgerzeichen, Wallfahrtsmedaillen, Ker-zen, Amulette und gedruckte Andachts-bildchen sowie Taschenheilige in kleinenBehältnissen. Erde aus dem Heiligen Land,Wasser aus heilbringenden Quellen sowieWalburgisöl( eine Flüssigkeit, die aus demSarkophag der Heiligen Walburga in Eich-stätt austreten soll) sind weitere Beispielefür die Vielfalt der Wallfahrtsandenken.Detailgetreue Nachbildungen der Gna-denbilder oder verkleinerte Nachbildun-gen der Attribute verehrter Heiliger( z. B.Nepomukzungen, Notburgasicheln oderWolfgangihackln) versprechen besondereSchutzkraft, wenn sie am Grab oder amGnadenbild angerührt worden waren. Indi-viduelle Mitbringsel waren auch die Maria-zeller Schrecksteine, die Unheil abwehren
sollten. Oder die- im Zeitalter modernermedizinischer Versorgung kaum mehrvorstellbare- Verwendung der Sonntags-berger Fraisensteine, von denen man imBedarfsfall Partikel abschabte und eineman fiebrigen Krampfanfällen erkranktenMenschen verabreichte. Denselben Zweckerfüllten die Schluckbildchen( kleinsteAbbildungen des Gnadenbildes auf Papier),die im Krankheitsfall mit dem Essenoder im Tierfutter verabreicht wurden.
Unterwegs deckten sich die Wall-fahrtsgruppen beim Lebzelter mit Leb-kuchen ein, die zugleich eine haltbareWegzehrung und wohlschmeckendesMitbringsel waren. Wallfahrten spielteneine wichtige wirtschaftliche Rolle. DerWohlstand ganzer Gemeinden hing vonder Kauffreude der Wallfahrer und Wall-fahrerinnen ab. Florierende Geschäfte anden Gnadenorten bedeuteten auch für dieZwischenhändler erfreuliche Gewinne,ließen sie ihre Waren doch meist von Heim-arbeitern und Heimarbeiterinnen sowiederen Kindern- gar nicht himmlisch- inprekären Verhältnissen seriell produzieren.