Matthias Beitl, Direktor, Volkskundemuseum
Das Museum für Alle
Als Ana Novak von skica an das Volkskundemuseum mit der Ideeeiner Präsentation slowenischen Designs herantrat, scannten wirauf der Suche nach einer möglichen thematischen Koppelunggedanklich die Museumssammlung nach slowenischen Objekten.
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Links:
Aus der Ausstellung PastFuture Perfect: Lumu vonLumuLabs.
Foto: Jure Miklavc
Vielen Dank an AnaNovak( skica), BarbaraPredan, Petra ČerneOven( Pekinpah Verein)und Jure Miklavc( Studio Miklavc), dasswir im Spiel mit derSchausammlung sind.
Da gibt es beispielsweise rund zweihundert sogenannteBienenstockstirnbrettchen, die zum Großteil slowenisch/kärntnerischen Ursprungs sind. Pittoreske kleine Brettermit Genremalerei und religiösen Darstellungen, die dieEinflugschneise der Bienen in den Stock verzierten. Dasaktuellste Stück verdanken wir übrigens dem„ Mitteleu-ropäer“ Erhard Busek, der es vor ein paar Jahren vom slo-wenischen Botschafter in Wien hier im Haus überreichtbekam und es der Museumssammlung überließ.
Im nächsten Schritt besuchten die slowenischen Kuratori-nnen Barbara Predan und Petra Černe Oven das Volkskun-demuseum. Nach dem Hinweis auf slowenische Objekte inder Sammlung und einem gemeinsamen speed dating mitder Schausammlung gingen die Kuratorinnen autonomdurch die Objektreihen. Jenseits regionaler Assemblagenentstanden aus dieser Bewegung heraus assoziierte Ob-jektpaare, die durch ein„ Sehrohr“ verbunden wurden.
Dieses Werkzeug ist die Vergegenständlichung der Asso-ziationen, die sich im Nachdenken über die Begegnungmit den Objekten ergaben. Es ist eine unmittelbare visu-elle und gedankliche Brücke zwischen dem Ding aus derTiefe der Vergangenheit und dem Objekt aus der schein-bar so nahen Gegenwart. Das Sehrohr ist eine„ Zeitma-schine"- wie es die Kuratorinnen dieser Interventionbezeichnen-, ein kubrickscher Monolith( 2001: A SpaceOdyssey; Stanley Kubrick, 1968), der durch seine Exis-tenz- abgesehen von seinen vielschichtigen Deutungs-ebenen- etwas herstellt, was es zuvor nicht gab. Indiesem Sinne ist auch das Museum selbst ein Konstrukt,das Dinge verwahrt, sie assembliert und deutet. Wennes das Museum nicht gäbe, wären die Objekte nicht da,und wäre dann unsere Wahrnehmung- und Entwick-lung?- der Lebenswelt eine andere? Welche Fragen beider Betrachtung der Objektpaare auch immer entstehenmögen, im Vordergrund steht das Spiel der Verbindun-gen, die sich über unterschiedliche Kanäle und Kons-
trukte herstellen lassen. Die Kuratorinnen haben ein„ Drittes Ding" als Vermittler eingesetzt.
Freunde und Fans des Wiener Volkskundemuseumsbezeichnen dieses Haus oft als hidden place. In gewis-ser Weise ist es das auch: Lage, Architektur, Größe, derName, organisatorische Struktur und finanzielle Mittelsind Parameter, die eine Kulturarbeit festlegen, dieeinerseits jenseits des Mainstreams liegen muss- Stich-wort Museen als repräsentative Orte mit entsprechendhöheren Budgets-, andererseits innovativ und expe-rimentell agieren kann. Denn kleine Strukturen undflache Hierarchien schaffen jene Flexibilität, die einevielschichtige Auseinandersetzung mit kulturellen undgesellschaftspolitischen Entwicklungen und Phäno-menen erfordert. Genau diese Beweglichkeit gilt es ineinem Kulturenmuseum herzustellen. Wenn museologi-sche Diskurse immer stärker begrifflich hin zu offenen,diskursorientierten Orten führen, dann müssen auchStrukturen überdacht werden. Die Angreifbarkeit desMuseums in aller Deutungsbreite wird einem zukünf-tigen Publikum wichtig sein, da wir uns jenseits derPartizipation in einem„ integrierten" Verhältnis mit denMenschen befinden werden, mit Blick auf social medianatives, eine ganz normale soziale Beziehung.
Im vorliegenden Projekt befinden wir uns prinzipiell ineiner mehr oder weniger herkömmlichen Displaysituationaus Objekten, Texten und Positionierungen. Das„ DritteDing" unterbricht diese logische Übereinkunft und kann-wenn die BesucherInnen das wollen- andere Synapsenaktivieren. Was die Perspektiven museologischer Arbeitam Volkskundemuseum Wien betrifft: der Versuch, dasScheitern, die Möglichkeit, das Potential, das Auslotensind Leitmotive der inhaltlichen Arbeit. Über die Wissens-vermittlung hinaus wollen wir die BesucherInnen unduns selbst immer wieder herausfordern. Warum? Der All-tag ist um uns, wir wollen ihn befragen und reflektieren.
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