In bürgerlich- städtischen und bäuerlichen Kreisenkam Haarschmuck im 19. Jahrhundert in Mode.Aber bereits ein Jahrhundert zuvor finden wirihn beim Adel. Ein Medaillon aus den Haaren derKaiserin Maria Theresia, heute im Besitz desKunsthistorischen Museums in Wien und ein Ringmit den Haaren Maria Antoinettes, ein Geschenkder späteren Königin von Frankreich an den Gra-fen Trautmannsdorf mögen die bekanntesten Stückesein, die uns erhalten geblieben sind.Die Blütezeit der Haararbeiten war das 19. Jahr-hundert mit seinem ausgeprägten Freundschafts-und Erinnerungskult, insbesondere aber die Zeitdes Biedermeier. Maßgeblich dafür mag die Stel-lung der Frau gewesen sein. Die Frau zu dieserZeit war an Haus und Herd gebunden, von Frauen-emanzipation konnte keine Rede sein, in keineranderen Zeit entstand eine solche Fülle weib-licher Handarbeiten. Daneben mögen aber auchwirtschaftliche Faktoren die Herstellung vonHaarschmuck forciert haben. Nach der französi-schen Revolution wurden zunächst in Frankreichund allmählich auch in Österreich die kunst-vollen Frisuren abgeschafft und damit der Blüte-zeit der Perückenmacher und Friseure ein jähesEnde bereitet. Neue Verdienstmöglichkeiten undArbeitsgebiete mußten geschaffen werden. Sofinden sich auch dann zu Beginn des 19. Jahr-hunderts neben den kunstfertigen Frauen undKlosterschwestern bereits einige bürgerlichePerückenmacher und Friseure als Hersteller vonSchmuckstücken, Blumen und Bildern aus Menschen-
haaren.