auch in kleinen, für die Hochzeitstortenverzierung bestimmten Formen29).Eine Reihe von hochzeitlichen Gugelhupfformen hängt auch noch in dernächsten Vitrine, welche das andere Leben der Hochzeitserinnerung im19. Jahrhundert zeigt, nämlich in den gerahmten Brautkränzen, in dengemalten Egerländer Hochzeitszügen³0) und ähnlichen, verhältnismäßigstark bürgerlich- städtisch gewordenen Formen.
Eine Zusammenstellung in einem Hängerahmen zeigt die geistlicheSegnung der Hochzeit und die biblische Hochzeit zu Kana, dasgroße Vorbild, in Hinterglasbild- Vorzeichnungen, Bienenstockstirnbret-tern und verwandten Darstellungen. Das Gegenstück zu diesen ernstenHinweisen stellen die Gruppen ,, Heiratsscherz und Ehespott"dar. Um das hochzeitliche Geschehen war immer schon der mehr oderminder anspielungsfreudige Scherz angesiedelt. Die Zeit der Bilderbogen,die Vorbildhaftigkeit der Stiche von Callot, haben so manche volkskunst-lerische Darstellung angeregt31). Das gilt vor allem für die Darstellungender„ Altweibermühle Glossar ::: zum Glossareintrag Altweibermühle" auf einer Zinnschraubflasche wie auf einemBienenstockstirnbrettchen³2). Das gilt aber besonders für den Kupfer-blechteller mit der Darstellung des„ Eierlegers", der um 1700 graviertenScherzszene des verspotteten Mannes durch die kräftige, selbstbewußteEhefrau³3). Ein besonders wertvolles kleinplastisches Zeugnis dieser Artstellt die kleine Gmundener Figuralplastik des„ Ehekreuzes" dar,bei der das Eheweib Glossar ::: zum Glossareintrag Eheweib fidel auf dem Kreuz sitzt, das der Ehemann schwergenug trägt34). Ganz auffällig der Brettstuhl mit der geschnitzten Lehne,welche ein zankendes, wüstes Paar zeigt, wobei das kropfige Weib Glossar ::: zum Glossareintrag Weib ihremMann die„ Neidfeige" mit der Faust zeigt35). Aber die Männer wußten
29) Max Höfler, Gebildbrote zur Hochzeit(= Supplement- Heft VIIzum Jg. XVII der Zeitschrift für österreichische Volkskunde), Wien 1911.Karl von Spieß, Grundlinien einer Formen- und Gestaltenkundeder Gebildbrote( Jahrbuch für historische Volkskunde, Bd. III/ IV, Berlin1934, S. 391 ff.).
30) Vgl. Sebastian Grüner, Über die ältesten Sitten und Gebräucheder Egerländer. 1825 für J. W. von Goethe niedergeschrieben. Hg. AloisJohn(= Beiträge zur deutsch- böhmischen Volkskunde, Bd. IV/ 1), Prag1901.
31) Vgl. Wolfgang Brückner, Populäre Druckgraphik Europas:Deutschland. Vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. München 1969.
32) Leopold Schmidt, Le Théatre Populaire Européen. En col-laboration avec Gianfranco D'Aronco, Georgios Megas, Hans Moser, Geor-ges- Henri Rivière, Achmed Tecer et Hans Trümpy. Übersetzung KlausBeitl(= Folklore Européen, Bd. 3), Paris 1965. S. 71 ff. und Taf. III.
33) Michael Haberlandt, Der Eierleger( Werke der Volkskunst,Bd. II, Wien 1911, S. 80 ff.).
34) Dafür graphische Vorlagen, beispielsweise Kupferstiche in Wien,um 1830. Vgl. Katalog der Ausstellung Populäre Graphik des 19. Jahr-hunderts. Sammlung Günter Böhmer, München. Berlin, Akademieder Künste, 1970. S. 50, Nr. 118.
35) Vgl. Lenz Rettenbeck, Feige. Wort- Gebärde Amulett.Ein volkskundlicher Beitrag zur Amulettforschung(= Schriften derSchweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, Bd. 36a), München- Pasing
1955.
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