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Seit Adam und Eva : Liebe, Hochzeit und Ehe in der österreichischen Volkskunst
Entstehung
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widmet, welche einen ganzen winzigen Hochzeitsbaum" im Glas-kästchen zeigt 18), aber auch einen Familienbaum" in der Wasserfarben-malerei anläßlich eines fünfzigsten Geburtstages, und viele ähnlicheObjekte. Da kommt auch der große Komplex der Minnegaben"zur Geltung, denn verzierte Waschhölzer( ,, Pleuel"), Mangelbretter( Roll-bretter") oder ähnliche Stücke sind hier und im gegenüberliegendenWandhänger gezeigt, und sie alle weisen Sprosse als Zeichen des neuenwerdenden Lebens auf, nicht zuletzt Herzsprosse, wie denn das Herz-motiv in dieser Liebes- Volkskunst nicht zu kurz kommt 19).

Die Porträts zwischen den Vitrinen zeigen bäuerliche Paare, diesich offenbar zur Hochzeit haben malen lassen, wichtige Zeugnisse fürdie Wohlhäbigkeit auf dem Lande vor allem in der ersten Hälfte des19. Jahrhunderts. Die gemalten Paare weisen auf das Paar- Motiv ansich hin, das sich durch die ganze Hochzeits- Volkskunst zieht. Dem-entsprechend zeigt die nächste Vitrine Paar- Stühle mit geschnitztenPorträtlehnen, Haubenschachteln oder auch Zinnteller mit Paardarstel-lungen, und schließlich auch den Hinweis auf das dem jungen Paar ge-wünschte Kind in der Form des Hausmandls". Figuren, wie diehier gezeigte, ein spätbarock geschnitzter Knabe, wurden dem jungenPaar auf die Hochzeitstafel gestellt, offenbar ein Seitenast der im römi-schen Hochzeitsbrauch üblichen Camillus"-Tradition, also dem lebendenSegenbringer in Knabenform, mit seinem weiten religionsgeschichtlichenHintergrund 20).

Das Paarmotiv tritt besonders stark bei den Paarbesteckenzutage. Das Museum hat seit Jahrzehnten Zeugnisse des alten Besteck-wesens gesammelt. Aus der Sammlung des Grafen Lamberg in Steyrwurden vorzügliche alte Bestecke mit figural gestalteten Griffen erworben. Unter all diesen Bestecken nun finden sich nicht wenige, die sichdeutlich als Braut- und Hochzeitslöffel identifizieren lassen. In einerHängevitrine sind die Hochzeitslöffel zusammengestellt, deren GriffePaare, in einem Fall auch das Urelternpaar Adam und Eva zeigen, ineiner zweiten die vielfach aus einem Stück geschnitzten Bestecke, beidenen Löffel und Messer an einer gleichfalls aus dem gleichen StückHolz geschnitzten Kette zusammenhängen21). Bemerkenswert hier derGegensatz zu den Viechtauer Löffeln, die nie in solchen Formen auf-treten, weil es sich um rasch gefertigte Hausiererware handelt, zumUnterschied von den mühsam geschnitzten Paarlöffeln, die zum Teil wohlGeduldarbeiten von Hirten und Sonderlingen sind. Die Löffel und Messermit den figural geschnitzten Griffen gehören dagegen eindeutig demBereich des alten Handwerks an.

Auch bei diesen Hochzeitslöffeln gibt es wieder welche, die denWunsch nach künftigem Familienzuwachs deutlich bekunden. So weisteiner der zierlichen Holzlöffel, der vermutlich um 1700 entstanden seindürfte, ein Griffende über dem schraubenförmig geschnitzten Stiel auf,das ein sehr genau gekennzeichnetes Wickelkind im Wickelpolster, mitWickelbändern und Häubchen zeigt.

18) Arthur Haberlandt, Zur Darstellung des Lebensbaumes inder deutschen Volkskunst( Wiener Zeitschrift für Volkskunde, Bd. XLIII,1938, S. 33 ff., bes. S. 40 und Taf. I).

19) Albert Walzer, Das Herz als Bildmotiv( in: Das Herz im Um-kreis der Kunst. Biberach 1966. S. 137 ff.).

20) Vgl. Karl Kerenyi, Hermes als Seelenführer. Zürich 1944. S. 95.21) Dazu wichtige Gegenstücke bei Edward H. Pinto, Treen andother wooden bygones. London 1969. Abb. 12, 67, 82 u. ö.

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