Druckschrift 
Tahtakale : Traditionelles Handwerk in der Türkei ; Österr. Museum f. Volkskunde und Ethnograph. Museum Schloß Kittsee zusammen m. Mus. f. Völkerkunde
Entstehung
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RAUM I:

Stoffdruck:

Das Bedrucken und Bemalen von Stoff, vorallem Baumwollstoffen, hat in der Türkeieine lange Tradition. Es wurde sowohl vonprofessionellen Handwerkern wie auch vonFrauen in Heimarbeit ausgeführt.

Das Bemalen von Stoff mit einer Feder bzw.einem dünnen Pinsel( kalem işleri), das nochim 19. Jahrhundert, besonders am Bospo-rus, in Kandili und Arnavutköy, üblich war,dürfte völlig verschwunden sein.Erhalten hat sich hingegen bis heute der Stoff-druck( yazma) mit Holzstempeln. BedeutendeZentren dieses Handwerkszweiges sind ne-ben Istanbul auch Tokat und Yozgat( früherauch Izmir, Trabzon und Kayseri).

Eigene Stempelschnitzer erzeugen die ver-schiedenen Druckmodel( yazma kalıp), diemeist Blumenmotive in Längs- und Rund-form aufweisen.

Zum Bedrucken werden je nach Verwen-dungszweck verschiedene Baumwollstoffeverwendet, z. B. für die Kopftücher meistdünne Muslinstoffe, für Tischtücher undBettdecken feste Stoffarten. Neben demSchwarzweißdruck sind besonders Bunt-drucke in den Farben Blau, Rot, Grün undGelb beliebt. Während früher ausschließlichNaturfarben zum Färben verwendet wurden,bedient man sich heute nicht waschechterKunstfarben.

Durch Einfärben und mehrmaliges Aufdruk-ken der Stempel an den für das Muster vor-gesehenen Stellen erfolgt die gewünschteGestaltung des Stoffes.

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Der Großteil der bedruckten Stoffe wird alsKopftücher unterschiedlichsten Formates( kleine quadratische und größere recht-eckige) verwendet. Diese werden von densie tragenden Frauen vorwiegend dieLandbevölkerung und die städtischen Unter-schichten noch mit aus Garn oder Glas-perlen hergestellten Spitzen verziert. Grö-Bere bedruckte Stoffe finden entweder alsTischtücher oder Bettüberwürfe usw. Ver-wendung.

Für den Tourismus werden Kleider und Blu-sen aus bedruckten Stoffen hergestellt. Da-

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neben hat sich im städtischen Bereich eineeigene Heimerzeugung von Spitzen fürKopftücher entwickelt. Die Einführung derSerigraphietechnik im Stoffdruck, die einerasche Serienfertigung ermöglicht, löst denStempeldruck in der Türkei, besonders inIstanbul, ab. Derzeit stellt nur mehr ein Mei-ster die für den Stoffdruck notwendigenModel her.

Drechseln:

Die Herstellung von Drechslerprodukten ge-hört zu den ältesten vorderasiatischenHandwerkstechniken. Mit einer einfachen,, Drehbank" und einem Bogen werden so-wohl Holz- und Metallprodukte wie auch El-fenbein, Bernstein und andere Materialienbearbeitet( vgl. dazu auch die Ausführungenzur Gebetsschnurherstellung).

In neuerer Zeit wird mittels dieser Hand-werkstechnik auch verschiedenster Kunst-stoff geformt.

Die Variationsbreite der Drechselprodukteumspannt ein weites Feld und reicht von ein-fachen Griffen und Stielen für diverse Werk-

zeuge( z. B. Hammer und Äxte) über Teig-walker, Kinderwiegen, Stiegengeländer,Teile von Möbeln bis hin zur Gebetsschnur.

Überschuhherstellung:

Vom traditionellen orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag  orientalischen Schuh-werk hat sich im städtischen Bereich bisheute lediglich der mes erhalten, der ausweichem, dünnem Schaf- oder Ziegenledergefertigt ist und eher einem Strumpf aus Le-der als einem herkömmlichen Schuh gleicht.Über dem mes wird auf der Straße ein Über-schuh in Galoschenform getragen, der frü-her ebenfalls aus Leder, meist aus Kalbs-lackleder, hergestellt war und mittels einesSporns am Hacken des inneren Schuhs be-festigt war. Heute hingegen werden überdem mes Gummigaloschen getragen.Da der mes auf der Straße mit Überschuhengetragen wird und mit dem Straßenschmutznicht in Berührung kommt, dürfen dieseSchuhe in der Moschee getragen werden.