Neben Christus ist es vor allem Maria, die als„ Morgenstern“ bezeich-net wird, und zwar nicht erst seit der Lauretanischen Litanei. Schon inder Apokalypse( 12,1) wird auf Maria gleichsam als alles Gestirn hinge-wiesen: Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mitder Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranzvon zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Diesen Strahlenkranz finden wirdaher häufig bei Immaculata- Darstellungen. Nebenbei bemerkt, sindsie bekanntlich auch in der EU- Fahne enthalten, wenngleich die sym-bolische Beschreibung nicht auf Maria hinweist: Gegen den blauenHimmel der westlichen Welt stellen die Sterne die Völker Europas dar.Sie formen einen Kreis zum Zeichen der Einheit. Die Zahl der Sterneist unveränderlich mit zwölf festgesetzt als Symbol der Vollkommen-heit und der Vollständigkeit. Vollkommenheit ist es aber auch, was dieMuttergottes auszeichnet. Manche Gnadenbilder zeigen Maria mit ei-nem Stern, insbesondere die nicht nur in den Ostkirchen weit ver-breiteten Hodegetria- Bilder, wobei„ Hodegetria“„ die den Weg Wei-sende" bedeutet. Derartige Gnadenbilder in Österreich sind z. B. die,, Maria Pötsch“ im Wiener Stephansdom oder Filiationen des Gnaden-bildes ,, Maria Schnee" in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore.Ein weiterer Titel Mariens, und zwar vor allem in den Mittelmeerlän-dern, ist ,, Meeres- Stern", und damit ist ein weiterer Bezug auf Maria alsWegweiserin gegeben. Die alten Griechen bzw. die Römer belegten mitdiesem Titel schon ihre dem Meer entstiegene Aphrodite bzw. Venus.Der große Marienverehrer Bernhard von Clairvaux 5 führt z.B. zu sei-nem Ruf ,, Respice stellam, voca Mariam" aus: Wende deine Augen nichtab vom Glanz dieses Sterns, wenn du nicht von den Stürmen überwäl-tigt werden willst; blick auf den Stern, rufe Maria. Und an andererStelle schreibt er: Sie ist jener glänzende und alles überstrahlende
4 Peter Diem: Die Symbole Österreichs, Wien 1995, S.417.
5 Bernhard v.Clairvaux( um 1090- 1153): Hom.4 super missus est 2,17; zitiert nachHandbuch der Marienkunde, Regensburg 1984, S.167 f.
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