Einleitung
Die Wallfahrtskirchen der österreichischen Länder waren vorder Aufklärung mit gemalten Votivtafeln angefüllt. Sie hingenvor den Gnadenaltären, an den Säulen, an den Wänden, oft bisin die Gewölbe hinauf. Manche Kirchen hatten tausende solcher,, Tafeln", manche Kapellen hunderte. Seit der josephinischen Zeithat nicht nur der Brauch, Votivbilder zu opfern, immer mehr nach-gelassen, es sind auch zahllose alte Tafeln weggeschafft worden,oft direkt vernichtet, mitunter verschleudert. Dennoch besitzenviele Kirchen und Kapellen mit alter wallfahrtlicher Geltungauch heute noch stattliche Votivbilderbestände. Sie werden mit-unter gepflegt, öfter wenig beachtet, und so gut wie nie wissen-schaftlich erfaßt und erforscht. Selbst die kunsttopographischenErfassungen sind die längste Zeit daran vorübergegangen. Dievon der Volkskunde angeregten wallfahrtstopographischen Auf-nahmen, die sehr spät eingesetzt haben, konnten bisher nur wenigErfolg haben. Außer ganz lokalen Feststellungen und einigenwenigen Studienarbeiten haben sich im wesentlichen doch nur dieVeröffentlichungen von Gustav Gugitz damit beschäftigt, der insein maßgebendes fünfbändiges Handbuch Österreichs Gnaden-stätten in Kult und Brauch"( Wien 1955-1958) jeweils auch alleAngaben über Votivtafeln aufgenommen hat, die ihm eben be-kannt waren.
Die sammlerische Erfassung dieses Volkskunstgutes ist nurspärlich betrieben worden. Die eigentlich berufenen Stellen, dieVolkskundemuseen, sind erst von Privatsammlern auf die Wich-tigkeit dieser Dinge aufmerksam gemacht worden. Die Vorläuferder neueren religiösen Volkskunde, vor allem Marie Andree- Eysn,Hugo von Preen und Anton M. Pachinger haben schon vor derJahrhundertwende gesammelt, und sie haben allmählich auch dieMuseumsleiter auf dieses Material aufmerksam gemacht. DasÖsterreichische Museum für Volkskunde hat unter Michael Haber-landt etwa ein Jahrzehnt nach seiner Gründung, nämlich 1905, zusammeln begonnen. Das Jahr ist charakteristisch: 1904 war näm-lich das bahnbrechende Werk von Richard Andree ,, Votive undWeihegaben des katholischen Volkes in Süddeutschland" erschie-nen, dessen Anregungen Haberlandt aufnahm. Im Lauf von
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