rend diese Butterbretter auch im sogenannten Hausfleiß von den Bergbauernselbst angefertigt worden sind, waren die in der savoyischen Haus- undHofwirtschaft bis vor etwa fünfzig Jahren noch auffallend vielfältig ver-wendeten Holzgeschirre und Holzgeräte durchwegs Erzeugnisse hausgewerb-licher, bisweilen auch schon regelrecht hausindustrieller Zentren. Eine Pult-vitrine enthält eine ganze Anzahl solchen Holzgeschirrs, das nach den Fest-stellungen von Eugenie Goldstern aus dem Dorf La Magne stammt. Sind dieseWaren aus dem Voralpengebiet über die Märkte bis in die hintersten Tälerder französischen Hochalpen gelangt, so haben umgekehrt hochalpine Zen-tren der Hausindustrie ihrerseits wieder mehrere Landschaften mit ihrenErzeugnissen versorgt. Nur geringe Verbreitung haben die merkwürdigenSalzbehälter in Gestalt einer Henne gefunden. Seit dem frühen 18. Jahr-hundert sind sie in den savoyischen Hochtälern der Haute- Maurienne undder Tarentaise anzutreffen. Mit dem übergreifenden Henkel wurden sie amtrockenen Platz neben der Kochstelle im Kamin aufgehängt; kleinere, mitSegenszeichen versehene Vogelgefäße dienten wohl auch zur Aufnahme desWeihsalzes. Eine weitaus größere Streuung erfuhren dagegen die Holz-schnitzereien des Dorfes Bessans in der Haute- Maurienne. Hier befindetsich seit der Renaissance eines der produktivsten künstlerischen Zentren derfranzösischen Alpen, besonders auf dem Gebiet der religiösen Plastik. Heutenoch birgt die Ortskirche zahlreiche Statuen aus dem 17. Jahrhundert undeinen Altar, der von Antoine Clappier, dem Sohn des Begründers der gro-Ben Bessaner Schnitzerdynastie Jean Clappier, signiert ist. Die alte kunst-handwerkliche Tradition, die hier in der Nähe der großen Alpenpässe vonAnfang an italienische Einflüsse empfing, wurde später von einem volkstüm-lichen Hausgewerbe abgelöst, das bis in unsere Tage noch Kleinplastik genre-haften Charakters und die als„ Bessaner Teufel" allenthalben bekannten, gri-massenhaften Figuren hervorbringt.
Alpwirtschaft, bäuerliches Hausgewerbe, Hausindustrie. Allein schon vonder Struktur der traditionellen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisseher lassen sich also zwischen Savoyen und den österreichischen Alpenlän-dern Vergleiche ziehen. Kaum verwandte Züge ergeben sich dagegen, sobaldman sich der Bretagne zuwendet, der in dieser Ausstellung die zweite Hälftedes Raumes gewidmet ist. Im Gegensatz zu den stärker individualistisch ge-prägten Wesensmerkmalen der Volkskultur in den Alpenländern tritt hier imKüsten- und Hügelland das gemeinschaftliche Moment mehr in den Vor-dergrund. Davon zeugen Zeichen wie die Wahl- und Hochzeitsladerstöckeund Musikinstrumente aus dem dörflichen Brauch- und Festleben, aber auchder altertümliche Gemeinschaftstisch aus dem häuslichen Bereich. Wendetman sich schließlich ganz den dunklen und schweren Eichenholzmöbeln zu,die der Ausstellung als Umrahmung dienen, so tritt dem Betrachter einevöllig andere Welt entgegen. Hier haben wir es mit den unbemalten Hart-holzmöbeln zu tun, die für die überlieferte Wohnkultur des europäischen
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