der glücklichen Lage ist, eine solche Vergleichsausstellung zur Gänze auseigenen Sammlungsbeständen bestreiten zu können. Dieser Rückgriff auf diesehr guten und alten Kollektionen französischer Volkskunst konnte umsoleichter getan werden, als diese wissenschaftlich durchwegs bearbeitet undgrößtenteils auch schon hinlänglich publiziert sind. Der Öffentlichkeit warensie freilich mangels geeigneter Ausstellungsmöglichkeiten im Hauptgebäudedes Wiener Museums seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr zugänglich.Was nunmehr im Schloßmuseum Gobelsburg den Besuchern an französischerVolkskunst gezeigt wird, stellt zugleich auch einen bedeutsamen Abschnittin der Sammlungsgeschichte des Österreichischen Museums für Volkskundedar. Das Wiener Museum war von seinen Begründern, den beiden WienerEthnographen Michael Haberlandt und Wilhelm Hein, 1895 als Sammlungdes bäuerlichen Kulturgutes für das Gesamtgebiet aller Sprachnationen dercisleithanischen Reichshälfte der Österreichisch- Ungarischen Monarchie ge-dacht gewesen. Über diesen weitgesteckten Rahmen hinaus erfolgten nochvor dem ersten Weltkrieg weitere sammlerische Ausgriffe auch auf Land-schaften im Süden und Westen Europas. Im Sinn der von Wien aus beson-ders geförderten„ Vergleichenden Volkskunde“ wurden wertvolle Sammlun-gen aus altertümlich verbliebenen Hochgebirgsgegenden in der Schweiz( Graubünden und Wallis), in Italien( Piemont), Frankreich( Savoyen) undSpanien( Baskenland), aber auch aus anderen europäischen„ Reliktland-schaften", wie etwa von der bretonischen Halbinsel, für das Museum ein-gebracht. Der Krieg 1914/18 hat dann jedoch diese Sammelbestrebungenpraktisch zum Erliegen gebracht. In der Folgezeit hat sich wohl die eine oderandere Bereicherung für die Museumsbestände aus der westlichen und süd-lichen Romania ergeben, im wesentlichen sind aber die betreffenden Kol-lektionen heute als abgeschlossen zu betrachten. Freilich wird durch diesenVerlauf der Sammlungsgeschichte nicht der hohe dokumentarische Wert die-ser alten Bestände berührt, den es wieder richtig zu erkennen und in derZukunft auch noch entsprechend auszuschöpfen gilt.
Die Sonderausstellung„ Französische Volkskunst" wird bestritten hauptsäch-lich aus dem sammlerischen Werk der beiden Forscher Eugenie Goldsternund Rudolf Trebitsch, die der Schülergeneration von Michael Haberlandtangehörten und, durch ihn angeregt, in den letzten Jahren vor dem erstenWeltkrieg einerseits das Tal der Haute- Maurienne in den savoyischen Alpen,andrerseits die Bretagne bereisten und aus ihren Forschungsgebieten jeneSammlungen mitbrachten, die heute zu den kostbarsten Vergleichsbeständendes Museums gehören. Rudolf Trebitsch, der ursprünglich Medizin studierteund sich bald der damals aufstrebenden Anthropologie und Ethnologie zu-gewandt hatte, ging von der linguistischen und volkskundlichen Unter-suchung der sprachlichen Restvölker Europas aus. Nach früheren Reisen nachGrönland und Wales suchte er 1911 die Festlandkelten in der Bretagne aufund brachte von dort die stattliche bretonische Sammlung von insgesamt
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