Fächer, die in einem Werdezustand befindliche Volkskunde hattebesonders viel daran gelernt. Nunmehr bot sich in der GrödnerSchnitzerei ein neues Studienobjekt dieser Art. Arthur Haber-landt setzte das Sammelwerk seines Vaters in dieser speziellenRichtung fort und brachte aus den verschiedensten Quellen einenerstmaligen großen Überblick über die Grödner Hausindustriein ihrer volkskünstlerischen Bedeutung zustande. Auf seinenErwerbungen und ihrer Bearbeitung beruht praktisch bis heuteder größte Teil unserer Kenntnisse davon. Der Ausgang des erstenWeltkrieges hat es mit sich gebracht, daß die weitere Entwick-lung der Arbeiten in Gröden nicht mehr in der gleichen Art beob-achtet wurde. Die zweifellos vorhandenen tiroler Lokalkenntnissesind kaum allgemein zugänglich gemacht worden.
Aus allen diesen Bestrebungen ergab sich im Museum in Wienein beträchtlicher Schatz an südtiroler Volkskunst, der aber inkeiner der Aufstellungen der Schausammlung mehr geschlossenzur Geltung gebracht werden konnte. Die Abtrennung Südtirolsvon Österreich hat zwar eine Flut von mehr oder minder auchvolkskundlicher Literatur über Südtirol gebracht, die aber kaumjemals konkrete Fortschritte unserer Kenntnisse bedeutete. DieFortschritte der Volkskunstforschung wurden, was mir am wesent-lichsten erscheint, nicht auf das Sammlungsmaterial angewendet.Was nicht in Michael Haberlandts„ Österreichischer Volkskunst"von 1911 und in Arthur Haberlandts„ Holzschnitzerei im GrödnerTal" 1914 veröffentlicht war, das blieb im wesentlichen unpubli-ziert. Das tatsächliche Gewicht der mehr als viertausend Objekte,die im Museum in der Laudongasse lagerten, kam nicht zur Gel-tung. Selbst die Reinigung und Konservierung der Objekte liefmit der Zeit zu wünschen übrig, ganz abgesehen von der internenBearbeitung, der Inventarisierung jeder Art, die nach den erstenEinlaufeintragungen nicht mehr ausgebaut wurde. Diese viel zuknappen, sogar ohne Maßangaben gehaltenen Ersteintragungenhaben alle spätere Arbeit unendlich erschwert.
Als wir nach 1945 mit der Neuaufstellung begannen, ver-suchten wir sogleich auch einen Landschaftsraum Südtirol zuschaffen, der einige wichtige Materialgruppen, besonders auchgute Trachten, enthielt. Bei der weiteren Bearbeitung bestimmterObjektgruppen, beispielsweise der Masken oder der Votivbilder,konnte die Inventarisierung nach unseren neuen Gesichtspunktenwesentlich erweitert werden, was der Festlegung der Zusammen-gehörigkeit der südtirolischen Objekte innerhalb dieser Gruppensehr zugutekam. Von ausschlaggebender Bedeutung wurden dieArbeiten an den Arbeitsgeräten; meine gruppenmäßigen Über-
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